November

1. November:
Alle Heiligen
In den östlichen Kirchen gab es schon seit Anfang des 4. Jahrhundert Allerheiligenfeste, bei den Byzantinern zunächst als „Herrentag aller Heiligen“ am Sonntag nach Pfingsten. Es galt, bei der Fülle der Märtyrer nach den Verfolgungen, keinen zu vergessen. In der westlichen Kirche weihte Bonifatius IV. am 13. Mai 609 (oder 610) das Pantheon in Rom – zuvor das Heiligtum der antiken Götterwelt – der Jungfrau Maria und allen Heiligen und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am Freitag nach Ostern. Papst Gregor III. weihte eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen und legte den Feiertag auf den 1. November. Ende des 8. Jahrhunderts begann man das Fest im gallikanischen Bereich zu feiern. Papst Gregor IV. dehnte 839 den Gedächtnistag auf die ganze Kirche aus, seither wird Allerheiligen und Allerseelen an den ersten beiden Novembertagen begangen. An diesem Tag wird aller Heiligen, Märtyrer und Verstorbenen gedacht. Die Gräber auf den Friedhöfen werden von den Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das „Seelenlicht“ entzündet, das auch noch am darauffolgenden Allerseelentag leuchtet; es ist das Symbol des „Ewigen Lichtes“, das den Verstorbenen leuchtet. In feierlicher Prozession, dem „Gräberumgang“ schreitet der Priester durch die Reihen der festlich geschmückten Gräber und erteilt den Segen. In angelsächsischen Ländern verbreitet ist der Brauch, in der Nacht zum 1. November Haloween zu feiern. Ursprung dieses Festes ist der keltische Neujahrstag am 1. November, an dem in Britannien, Irland und Nordfrankreich der Toten gedacht wurde. Das Wort Halloween ist eigentlich eine Verballhornung von „Allerheiligen“ – „all hallow souls“ oder „all hallow eve“ – „Vorabend von Allerheiligen“. Die Seelen der keltischen Toten flogen in dieser Nacht in den Himmel. Die keltischen Druiden wollten in dieser Nacht die Grenze zwischen Lebenden und Toten aufgehoben wissen, zum Ende des Sommerhalbjahres sollte das Leben nun für ein halbes Jahr die Macht an den Tod, den Winter, abgeben. Um die bösen Geister in dieser Nacht zu vergraulen, zogen die Menschen gruselige Kostüme an und zündeten Jack-O-Lantern, den ausgehöhlten Kürbiskopf, an oder machten riesige Feuer. Die Iren brachten den keltischen Brauch nach Amerika; die spielerische Art des Umgangs mit dem Tod sicherte Halloween dort schon früh einen festen Platz im Jahresreigen. Mit dem Spruch „Trick or treat“, „Rat oder Gabe“, gehen in den USA Kinder, als Geister verkleidet mit dem grimmig aussehenden Kürbis, der ausgehöhlt und durch eine Kerze erleuchtet ist, von Haus zu Haus und erhalten von den Bewohnern Süßigkeiten als Geschenk. In Amerika wurde Halloween schon immer gefeiert, aber in den letzten Jahren nimmt der Gruselrausch immer größere Dimensionen an. In jüngster Zeit wird Halloween auch bei uns immer mehr Kult. Die Fantasie-Welt, die Freude am Verkleiden, das Gemeinschaftsgefühl beim Kürbisschnitzen, aber auch Gespräche über Angst und Vertrauen können helfen in dieser besonderen Nacht.

2. November:
Alle Seelen
Seit jeher gedachte der Mensch den Toten, seit dem 2. Jahrhundert sind christliche Gebete für Tote bekannt. Im 7. Jahrhundert ordnete Isidor von Sevilla seinen Mönchen an, am Tage nach dem Pfingstfest für die Toten Eucharistie zu feiern, andere Klöster nahmen diesen Brauch auf. 998 legte Odilo von Cluny die Allerseelenfeier für den 2. November fest, die Mönche von Cluny verbreiteten das Fest im 11. Jahrhundert, in Rom wurde es erstmals im 14. Jahrhundert gefeiert. Papst Benedikt XIV erlaubte 1748 drei Messfeiern zu diesem Tag, Papst Benedikt XV. weitete dieses Privileg im Jahr 1915 für die gesamte katholische Kirche aus. Gebete und Fürbitten sowie die Eucharistiefeier für die Verstorbenen sollen dazu helfen, dass die Toten die Vollendung in Gott finden. Die Zeit vom 30. Oktober bis 8. November gilt als Seelenwoche. Früher glaubte man, dass in diesen Tagen die armen Seelen anwesend seien.

3. November:
Pirmin
Bischof, Glaubensbote am Oberrhein, Klostergründer
† um 690
† 3. November 753 in Hornbach in der Pfalz (?)

Pirmin, in den Legenden als Westgote, Iroschotte oder als von romanischer Herkunft bezeichnet, wurde um 720 zum Wanderbischof geweiht und zur Mission nach Nordwest-Frankreich und an den Oberrhein gesandt. Er gründete zahlreiche Klöster, darunter möglicherweise das Kloster Mittelzell auf der Bodenseeinsel Reichenau; Auf der Reichenau hielt Pirmin sich der Überlieferung nach bis 726 auf, um dann – von Herzog Theobald vertrieben – im Elsass seine Tätigkeit fortzusetzen. Hier gilt er als Gründer der Klöster Murbach im Jahr 727 und Neuweiler, heute Neuwiller-les-Saverne. Auch die Klöster Gengenbach und Schwarzach in Baden sowie Hornbach in der Pfalz werden ihm als seine Gründungen zugeschrieben. Auch das Kloster Amorbach geht möglicherweise auf ihn zurück. Pirmin verbreitete in den Klöstern die Regeln der Benediktiner. Er starb wohl in Hornbach in der Pfalz.

4. November:
Karl (Carlo) Borromäus
Erzbischof von Mailand, Kardinal
* 2. Oktober 1538 bei Arona am Lago Maggiore
† 3. November 1584 in Mailand

Carlo Borromeo wurde nahe des Lago Maggiore als Sohn einer einflussreichen adligen Familie geboren. Die Borromäer waren Offiziere, Bankiers und Politiker, verschwägert mit dem italienischen Hochadel. Karl war von der Familie zum Kleriker bestimmt worden. Schon mit zwölf Jahren setzte man ihn als Abt der Benediktinerabtei von Arona ein; auf dieses Amt hatte die Familie einen Anspruch, es war mit erheblichem Einkommen verbunden. Mit 14 Jahren begann Carlo das Jura-Studium in Pavia, das er mit höchsten Auszeichnungen 1559 abschloss. Nach dem Tod des geliebten Bruders Federico entschloss sich Carlo, Priester zu werden, 1563 wurde er geweiht. Wenig später erhielt er die Weihe zum Bischof und wurde zum Kardinal und Erzbischof von Mailand ernannt; er konnte das Amt aber erst 1565 antreten. Der Kardinal galt als bescheidener, asketisch lebender Wohltäter mit einer großen Liebe zur Kunst, er entwickelte sich zu einem großen Reformer der katholischen Kirche und nutzte alle familiären Bindungen und Beziehungen, um sich durchzusetzen. Er reiste viel durch sein Bistum, seine vorbildliche Lebensführung beeindruckte die Menschen. Besonders setzte er sich für innerkirchliche Disziplin und die religiöse Unterweisung von Kindern ein. Im Alter von nur 46 Jahren erlag Carlo einem Fieberanfall, den sein von der unermüdlichen Arbeit geschwächter Körper nicht überwinden konnte. „Herr, ich komme“ waren seine letzten Worte. Eine riesige Menschenmenge begleitete ihn zur letzten Ruhe im Mailänder Dom.
11-04

5. November:
Elisabeth
Mutter von Johannes, dem Täufer
lebte in En Kerem, dem heutigen Ain Karim bei Jerusalem
† Anfang des 1. Jahrhunderts

Elisabeth stammte aus dem Priestergeschlecht Aarons. Sie war verwandt mit Maria der Mutter Jesu, und verheiratet mit dem Priester Zacharias , aber diese Ehe war kinderlos geblieben; dies galt als Zeichen, dass Gott sich von einem Menschen abgewandt hatte. Doch dann erschien der Erzengel Gabriel ihrem Mann und prophezeite ihm einen Sohn (Lukasevangelium 1, 5 – 20). Die Geburt dieses Sohnes erlebte Elisabeth wie ein Wunder ähnlich jenem, das Sara der Frau Abrahams mehr als tausend Jahre zuvor widerfuhr, als sie in hohem Alter noch einen Sohn gebar. So wurde sie die Mutter von Johannes dem Täufer der in seiner Bußpredigt auf das Kommen des Messias hingewiesen hat. Sechs Monate später kam der Engel auch zu Maria um ihr die Empfängnis von Jesus zu verkünden. Während der Schwangerschaft trafen sich die beiden Frauen, Elisabeth grüßte Maria mit den Worten: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“ und nannte sie „die Mutter meines Herrn“ (Lukasevangelium 1, 42 – 43) – dieser Begegnung wird Gedacht am Festtag „Visitatio“ – „Heimsuchung Mariä“ Maria blieb drei Monate bis zur Geburt des Johannes.
Das weitere Schicksal von Elisabeth ist nicht überliefert.
11-05

6. November:
Leonhard von Noblat (von Limoges)
Einsiedler, Abt in Noblat bei Limoges (?)
* um 500 in Frankreich
† 559 (?) im heutigen St-Léonard-de-Nolat bei Limoges

Die Lebensgeschichte von Leonhard ist in vielem legendär. Demnach ließ die am Merowingerhof lebende fränkische Adelsfamilie ihren Sohn durch Erzbischof Remigius von Reims taufen und unterrichten. Als Erwachsener verweigerte er demnach die ihm angebotene Übernahme eines Bistums, zog sich in die Einsamkeit des Waldes bei Limoges zurück, predigte von seiner Zelle aus und heilte die zu ihm kommenden Krüppel und Hilfsbedürftigen. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele bei König Chlodwig (oder Chlotar I. ?) ihre Freilassung. Viele Gefangene riefen auch den Namen Leonhards, worauf sofort ihre Fesseln abfielen, die sie dann als Freie dem Einsiedler brachten. König und Königin zogen eines Tages zur Jagd in diesen Wald; Leonhard hörte die Königin klagend rufen, da sie in Wehen lag. Auf Bitten des Königs betete Leonhard am Lager der Königin, und sie schenkte einem ersehnten Knaben das Leben. Der König wollte Leonhard mit Gold und Silber beschenken; dieser bat aber nur um so viel Waldgelände, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Leonhard gründete das Kloster Noblat bei Limoges in seinem Waldstück, wo er starb und auch weiterhin verehrt wurde.

7. November:
Willibrord von Echternach
Glaubensbote bei den Friesen, Erzbischof von Utrecht
* um 658 in Northumbrien
† 7. November 739 in Echternach in Luxemburg

Willibrord stammte aus Nordengland; sein Vater == Willigis, später selbst Mönch, gab ihn schon als Kind ins Benediktiner kloster nach Ripon, wo er von Wilfrith erzogen wurde, ehe er die Weihen zum Benediktinermönch erhielt. Im Jahre 678 begab er sich in die Abtei von Rathmelsigi – dem heutigen Mellifont – in Irland. Nach zwölf Jahren als Klosterschüler bei Egbert wurde er mit 30 Jahren zum Priester geweiht und 690 mit zahlreichen Gefährten als Missionar nach Friesland gesandt. Entgegen der Praxis vieler anderer Missionare ging Willibrord systematisch und planmäßig an die Arbeit. Er knüpfte Verbindungen mit Pippin II., der gerade Friesland erobert hatte, und band seine Arbeit eng an Rom an: 692 reiste Willibrord nach Rom, wo er die Zustimmung von Papst Sergius I. für seine Mission erhielt. Während eines zweiten Besuchs in Rom 695 erfolgte seine Ernennung zum Erzbischof auf Reisen. Er schuf Verbindungen zwischen dem Papst und dem karolingischen Königshaus; all das verlieh seiner Arbeit Stabilität und Dauer. Willibrord richtete seine Gemeinde in Trajectum – dem heutigen Utrecht – ein und hatte große Erfolge in der Missionsarbeit, nicht zuletzt dank der Unterstützung des Adels. 698 schenkte ihm Irmina von Öhren Ehefrau eines Pfalzgrafen, Land, auf dem er das Kloster Echternach gründete. Utrecht entwickelte sich zu einem Zentrum christlicher Kultur. Über 40 Jahre wirkte Willibrord unter den Friesen, unterbrochen lediglich während der kurzen Herrschaft des Friesenkönigs Radbod von 716 bis 719, der heidnischen Kult wieder einführen wollte. In dieser Zeit unternahm Willibrord einen der frühesten Versuche, die Dänen zu missionieren. Ab 719 wurde Willibrord tatkräftig von Bonifatius unterstützt, der später Willibrords Werk fortsetzte. Willibrord trägt den Titel „Apostel der Friesen“. In den Niederlanden wird sein Gedenktag noch heute festlich begangen. Sein Grab in Echternach ist seit dem 15. Jahrhundert jedes Jahr am Pfingstdienstag Ziel der „Springprozession“, bei der er vor allem zur Heilung von Epilepsie angerufen wird. „Willibrord-Brunnen“ sollen gegen Hautkrankheiten helfen.

8. November:
Franziska von Amboise
Priorin in Vannes
* 9. Mai 1427 in Rieux in Frankreich
† 4. November 1485 in Couets in Frankreich

Franziska war die erste Gründerin eines Karmelitinnen Klosters in Frankreich. Nach dem Tod ihres Mannes trat sie selbst in dieses Kloster in Vannes ein und wurde später dort Priorin. Dann wurde das Kloster nach Couets verlegt.

9. November:
Elisabeth Catez von der heiligsten Dreifaltigkeit (von Dijon)
Nonne, Mystikerin
* 18. Juli 1880 bei Bourges in Frankreich
† 9. November 1906 in Dijon in Frankreich

Elisabeth Catez wurde eine erfolgreiche Pianistin, doch im Alter von 21 Jahren trat sie dem Orden der unbeschuhten Karmelitinnen in Dijon bei. Von Tuberkulose und anderen Krankheiten geplagt, litt sie auch schwere seelische Qualen bis zu ihrem frühen Tod.

10. November:
Leo I., „der Große“
Papst, Kirchenlehrer
* um 400 in der Toskana
† 10. November 461 in Rom

Leo war Archidiakon beim römischen Bischof Coelestin ,ein hervorragender Prediger, ein bekannter und anerkannter Kleriker und Diplomat. 440 wurde er zu Coelestins übernächstem Nachfolger gewählt. Nach der Legende soll ihm Petrus selbst das Pallium überreicht haben: Leo arbeitete nachdrücklich an der Auffassung, der Bischof von Rom verwalte den „Stuhl Petri“, seine Aufgabe sei die „Obhut über die ihm anvertrauten Schafe“
In vielen Ländern ordnete Leo die Kirche organisatorisch neu und stärkte die kirchliche Hierarchie. Er festigte entscheidend die Stellung des Bischofs von Rom und kann dadurch als der erste wirkliche „Papst“ mit Macht zur Leitung der gesamten abendländischen Kirche angesehen werden. Als Bischof von Rom war er bestrebt, eine überregionale Gesamtverantwortung aufzubauen und als „Princeps apostolorum“, „Erster der Apostel“, Vollmacht über die anderen Bischöfe und die gesamte Kirche auszuüben. Seine Macht festigte 451 er durch die Einberufung einer Bischofssynode in Mailand, der Stadt mit dem mächtigsten Bischofssitz außerhalb Roms. Als er während einer Synode in Rom von Bischof Hilarius aus Arles angegriffen wurde, der sich als von Rom unabhängiger Metropolit von Gallien bestätigen lassen wollte, ließ Leo durch kaiserlichen Erlaß dessen Aufenthaltsrecht auf seine Diözese beschränken.
452 reiste Leo den einmarschierenden Hunnen unter Attila entgegen; in Mantua sei er vor Attila so mutig und mit solcher Würde aufgetreten, dass dieser neben Leo Paulus und Petrus mit gezücktem Schwert geschaut haben soll; so habe Leo die Umkehr der Hunnen erreicht und Rom vor Zerstörung und Plünderung gerettet. Drei Jahre später stand Rom vor der Plünderung durch die Vandalen unter Geiserich; der Kaiser war bereits tot, das römische Militär geflohen, Rom offene Stadt; Leo trat der Überlieferung nach nun auch den Vandalen entgegentritt und konnte zwar nicht die Plünderung der Stadt verhindern, aber das Überleben der Bürger erreichen. So galt Leo als der Retter Roms und wurde schon zu Lebzeiten hoch verehrt.
Als erster Papst wurde Leo in der Peterskirche beigesetzt. Sein Grab ist heute im Petersdom in Rom. 1754 wurde er zum von Papst Benedikt XIV. zum Kirchenlehrer ernannt.

11. November:
Martin von Tours
Bischof von Tours
* um 316 in Sabaria, dem heutigen Szombathely in Ungarn
† 8. November 397 in Candes bei Tours in Frankreich

Martin war der Sohn eines heidnisch-römischen Tribuns. Er wurde in Pavia, der Heimatstadt des Vaters, christlich erzogen und im Alter von 10 Jahren in die Gruppe der Katechumenen – der Taufbewerber – aufgenommen. Mit 15 Jahren musste er auf Wunsch des Vaters in den Soldatendienst bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien eintreten, schied aber mit 18 Jahren aus, weil Christsein und Militärdienst sich nicht vereinbaren lassen. Er wurde von Hilarius dem späteren Bischof von Poitiers, getauft. Zuvor geschah nach der Legende, was Martin weltberühmt machte: Martin begegnete am Stadttor von Amiens als Soldat hoch zu Ross einem frierenden Bettler, ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. Nach seiner Entlassung aus dem römischen Heer kehrte Martin nach Pannonien – der damaligen römischen Provinz im heutigen Ungarn – zurück; er wollte dort missionieren und taufte zuerst seine Mutter. In den Streitigkeiten um den Arianismus wurde Martin wieder ausgewiesen und zog sich nach mancherlei Wundern und Abenteuern über Mailand, wo ihm Ambrosius begegnet sein mag, auf die kleine Insel Gallinaria vor Albenga im Golf von Genua zurück. Er führt ein Einsiedlerleben, bis ihn Bischof Hilarius 360 nach Poitiers zurückrief. Martin errichtete in Ligugé in der Nähe von Poitiers 361 eine Einsiedlerzelle, aus der das erste Kloster Galliens wuchs.
Martin wurde 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours, trotz Vorbehalten seitens des Klerus und gegen seinen Willen. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. Der volkstümliche Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, rührt wohl von dieser Geschichte her. Andere Überlieferung berichtet: als Martin als Bischof predigte, wurde er durch eine Schar schnatternder Gänse, welche in die Kirche watschelten, unterbrochen. Sie wurden gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet. Beim Volk war Martin beliebt als ein gerechter, treusorgender Bischof. Seine Missionsreisen führten ihn durch das ganze Bistum, überall kümmerte er sich um Missstände. Auch in seinem hohen Amt verzichtete er auf alle Privilegien und zog sich in armseligen Holzhütten vor der Stadt zurück; aus dieser Einsiedelei entwickelte sich das Kloster Marmoutier, das zu einem bedeutenden religiösen Zentrum wurde. Alle Legenden betonen Martins schlichte Lebensart und demütige Haltung: Er putzte selbst seine Schuhe und saß nicht auf der bischöflichen Kathedra, sondern auf einem Bauernschemel. Als er seinen Rock einem Armen gab und der für ihn auf dem Markt neu gekaufte zu kurze Ärmel hatte, bekleideten ihn Engel während der Messe. Bei einem Mahl mit dem Kaiser ließ dieser Martin den Pokal zuerst reichen, er aber gab ihn nicht dem Kaiser zurück, sondern an seinen Priester weiter. Seine Askese brachte ihm aber immer wieder die Gegnerschaft des Klerus ein. Auf einer Missionsreise starb Martin, zu seiner Beisetzung am 11. November – daher der Gedenktag – strömte eine riesige Menschenmenge. Sein Schüler und Nachfolger als Bischof, Brictus errichtete über seinem Grab eine Kapelle, die ein vielbesuchtes Ziel von Pilgern und fränkisches Nationalheiligtum wurde. König Chlodwig I. erklärte Martin zum Schutzherrn der fränkischen Könige und ihres Volkes. Die Reliquien wurden größtenteils im 16. Jahrhundert von Hugenotten zerstört, Reste sind in der um 1900 neugebauten Martinskirche von Tours. Sein Mantel galt als fränkische Reichsreliquie, wurde am Königspalast in Paris aufbewahrt und auf allen Feldzügen mitgeführt.
11-11
Bild: Simone Martini: Martin teilt seinen Mantel, um 1321, Fresko in der Unterkirche des Franziskus in Assisi

12. November:
Josaphat Kunzewitsch
Erzbischof von Polock, Märtyrer
* 1580 in Wolhynien, dem heutigen Volynskaja Oblast in der Ukraine
† 12. November 1623 in Vitebsk in Weißrussland

Josaphat Kunzewitsch war Sohn orthodoxer Eltern, trat aber als junger Mann zur unierten Kirche über und wurde 1604 => Basilianermönch. 1618 wurde er Erzbischof von Polock im damaligen Polen – heute Weißrussland – und förderte mit Nachdruck die Einheit seiner Kirche mit dem Papst in Rom. Gegner ermordeten ihn auf einer Visitationsreise. Reliquien kamen 1916 nach Wien, 1949 nach Rom.
11-12
Bild: Portrait aus dem Jahr 1623

13. November:
Nikolaus I. („der Große“)
Papst
* um 800/825 in Rom (?)
† 13. November 867 in Rom

Nikolaus stammte aus einer vornehmen Beamtenfamilie und war gut ausgebildet. Schon vor seiner eigenen Amtszeit als Papst war er enger und einflussreicher Berater der drei Päpste vor ihm. Die neun Jahre von Nikolaus‘ Pontifikat ab 858 waren voller Konflikte: mit der Ostkirche, aber auch im Westen, so mit dem Patriarchen Johannes von Ravenna, der sich von Rom unabhängig machen wollte. Seine wohl wichtigste Amtshandlung war die Unterstützung von Rothad, dem Bischof von Soissons, der 863 von Hinkmar, dem Erzbischof von Reims, wegen Unbotmäßigkeit abgesetzt worden war; Nikolaus unterstützte Rothas und damit das Recht eines Bischofs, gegen die Autorität seines Vorgesetzten beim Vatikan Beschwerde einzulegen. Nikolaus sah sich als Nachfolger von Petrus als Herrscher, der die Rechte und Reinheit der Kirche zu verteidigen hatte. Gegenüber König Lothar II. von Lothringen beharrte er auf der Unauflöslichkeit der Ehe; dieser wollte die kinderlose Ehe mit Theutberga lösen und seine Geliebte Waldrada, die ihm ein Kind geboren hatte, heiraten. Die Kölner und Trierer Erzbischöfe, die Lothar ihr Einverständnis gegen hatten, setzte Nikolaus ab und exkommunizierte sie, dieser Konflikt eskalierte gar in kriegerischen Auseinandersetzungen. Manche Geschichtsforscher sehen Nikolaus nur als Werkzeug seines ehrgeizigen Beraters Anastasius Bibliothecarius. Jedenfalls war Nikolaus der erste, der die allumfassende Befehlsgewalt des Papstes, die sich auf die von Christus selbst verliehene Autorität stütze, nicht nur vertrat, sondern auch ausübte. Nikolaus‘ Grabstätte ist an unbekanntem Ort.

14. November:
Laurentius von Dublin
Erzbischof von Dublin
* 1128 in Kildare in Irland
† 14. November 1180 in Eu in Frankreich

Lauretius war Augustiner-Chorherr

15. November:
Leopold III.
Markgraf von Österreich, Klostergründer
* um 1073 im Melk (?)
† 15. November 1136 in Klosterneuburg bei Wien

Leopold, Sohn des Markgrafen Leopold II. aus dem Geschlecht der Babenberger, wurde in Melk von Bischof Altmann von Passau erzogen. Er übernahm nach dem Tod seines Vaters 1095 die Markgrafschaft Österreich bis zu seinem eigenen Tod. Zunächst Anhänger Heinrichs IV., wechselte Leopold 1105 auf die Seite Heinrichs V. und heiratete dessen Schwester Agnes. Von ihren 17 Kindern * wurden zwei Bischöfe. Große Besitzungen fielen als Erbschaft oder durch Heiraten an den Markgrafen, so der Raum Wien. Leopold hielt sich weitgehend aus den großen politischen Auseinandersetzungen heraus und befriedete und erweiterte sein Territorium nicht zuletzt durch eine wohl durchdachte Heiratspolitik. Im Investiturstreit stellte er sich gegen den Kaiser auf die Seite des Papstes und unterstellte diesem das Stift in Melk. Er gründete das Chorherrenstift Klosterneuburg, das Zisterzienser kloster Heiligenkreuz und wohl auch das Benediktinerkloster (Klein-) Mariazell im Wienerwald. Leopold gilt vielfach als der Begründer der Größe Österreichs. Leopold starb nach einem Jagdunfall, er wurde in seiner Stiftung in Klosterneuburg beigesetzt.
11-15
Bild: Hans Part: Babenberger Stammbaun (Ausschnitt) 1489 – 92, in der Stiftsgalerie Klosterneuburg

16. November:
Margareta von Schottland
Königin von Schottland
* um 1046/1047 in Reska in Ungarn
† 16. November 1093 in Edinburgh

Margareta wurde in Ungarn geboren, wohin ihr Großvater Edmund, auf der Flucht vor dem Dänenkönig Knud, der England unterworfen hatte, geflohen war und wo dessen Sohn Eduard Atheling die Schwester des ungarischen Königs, Agatha, geheiratet hatte. Als England die Fremdherrschaft abgeschüttelt hatte, wurde Margaretas Großonkel Eduard, der Bekenner König. Ab 1057 wurde Margareta an seinem Hof in England erzogen. Nach der Schlacht von Hastings floh Margareta 1066 nach Schottland und heiratete dort den schottischen König Malcolm III. – einen Sohn jenes Königs, den McBeth ermordet hatte und an dessen Familie sich Malcolm III. dann so grausam rächte, dass er den Beinamen „der Blutige“ erhielt. Wohl vor allem Margaretas Einfluss besänftigte den König. Sie setzte sich für eine bessere Volksbildung ein, beseitigte alte keltische Bräuche, war eine wohltätige, fromme und beim Volk sehr beliebte Königin und gründete die später berühmte Abtei Dunfermline.

17. November:
Gertrud von Helfta, „die Große“
Nonne, Mystikerin
* 6. Januar 1256 in Thüringen
† 17. November 1302 in Helfta bei Eisleben

Schon als fünf Jahre altes Mädchen war Gertrud – wohl als Waisenkind – ins Zisterzienserinnenkloster Helfta gekommen, wo sie von der Äbtissin Gertrud von Hackeborn, einer durch feinsinnige Bildung ausgezeichneten Frau, erzogen und selbst Nonne wurde. Gertrud übersetzte Teile der Heiligen Schrift ins Deutsche. Mit 26 Jahren hatte sie eine Vision: Sie wurde von Jesus in die Nachfolge gerufen; er hob sie über eine Dornenhecke zu sich und führte sie davon. Vor ihrer Bekehrung wollte sie den Männern in nichts nachstehen; von ihren damaligen Anstrengungen hatte Jesus in der Berufungsvision gesagt: „Bisher hast Du mit meinen Feinden vom Staub der Erde gegessen und aus ihren Dornen ein paar Honigtropfen gesaugt. Komme zu mir – ich will dich trunken machen mit dem Strom meiner göttlichen Wonnen.“ In den nächsten Jahren wurde diese mystische Christusbeziehung stetig vertieft und entfaltet. Groß war Gertruds Liebe zu Jesus, ebenso stark war auch ihre Liebe zu den Menschen. Stundenlang war sie den Menschen ihrer Umgebung Zuhörerin, Ratgeberin, Trösterin. Gleichzeitig war sie eine hochgebildete und künstlerisch begabte Frau.

18. November:
Petrus: Kirchweih
An diesem Tag wird der Weihe der Basiliken von Petrus und Paulus in Rom gedacht. An diesem Tag wurde nach der Überlieferung die alten Peterskirche im Jahr 326 geweiht; auch der Petersdom erhielt 1626 an diesem Tag seine Weihe.

19. November:
Elisabeth von Thüringen (von Ungarn)
Landgräfin, Nonne
* 1207 in Sárospatak in Nordungarn (?)
† 17. November 1231 in Marburg

Als Vierjährige wurde Elisabeth – unter Einfluss der politischen Interessen des Papstes Innozenz III. – mit dem damals elf Jahre alten Thüringer Landgrafensohn Hermann verlobt und zur Erziehung in deutscher Umgebung und durch ihre Schwiegermutter Sophie nach Thüringen geschickt. Doch Hermann starb 1216, ein Jahr darauf auch sein Vater, als Herrscher stand nun der jüngere Ludwig an, der, nachdem er volljährig geworden war, 1218 als Ludwig IV. Landgraf wurde. Elisabeth, die am Hofe durch Frömmigkeit, Schönheit und Sittsamkeit aufgefallen war, aber nun ohne Gemahl dastand, sollte nach Ungarn zurückgeschickt werden; aber inzwischen hatte sich Ludwig in sie verliebt, 1221 – Elisabeth war 14 Jahre alt – wurde die Hochzeit gefeiert.
Es kam zu einer glücklichen Ehe, aus der schnell drei Kinder hervorgingen. Als 1225 die ersten Franziskaner nach Eisenach kamen, übte deren Ideal befreiender Besitzlosigkeit großen Einfluss auf Elisabeth aus. Sie kümmerte sich um Bedürftige, besuchte Armenviertel; dies wurde trotz der Unterstützung, die Elisabeth von ihrem Mann erhielt, von der Familie mehr als skeptisch betrachtet. Ausführlich berichten die Legenden, wie sie unerschüttert den Verleumdungen und Vorwürfen ihrer Umgebung standhielt. Immer wieder erscheint Wunderbares: Der Aussätzige, den sie zur Pflege in ihr Bett hat legen lassen, wurde aufgedeckt, aber statt Elisabeth zu ertappen wurde das Bild des Gekreuzigten gesehen. Als sie im Hungerjahr 1226 alles verfügbare Korn austeilen ließ und auch Geld aus der Staatskasse zur Hilfe verwandte, wurden heftige Vorwürfe erhoben – da bedeckte sich plötzlich der Boden des Saales mit Korn, und Korn füllte alle Kammern. Als sie bei der festlichen Ankunft des Kaisers Friedrich II. kein Gewand mehr in der Truhe fand, überkleidete sie ein Engel mit Glanz und Schmuck, worauf sie fürstlicher als je im Saal erschien. Das „Rosenwunder“ ist weder in der Lebensbeschreibung noch in den großen Legendensammlungen verzeichnet: Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, trat seiner Frau, die mit einem brotgefüllten Deckelkorb die Burg herab stieg, mit der Frage entgegen: „Was trägst du da?“, deckte den Korb auf, sah aber nichts als Rosen. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Elisabeth mit ihren drei Kindern von ihrem Schwager Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben mit der Begründung, sie verschwende öffentliche Gelder für Almosen. In Eisenach fand sie keine Unterkunft, habe zunächst in einem Schweinestall gehaust. Bei ihrem Onkel mütterlicherseits, dem Bischof von Bamberg, fand Elisabeth dann mit ihren drei Kindern Aufnahme: er wollte sie wieder vermählen, aber Elisabeth lehnte selbst die Werbung von Kaiser Friedrich ab. 1229 zog Elisabeth an den Wohnort ihres Seelenführers und Beichtvaters, des Prämonstratensers == Konrad von Magdeburg. Dieser strenge, asketische Mann wollte „die Heilige zu einer Heiligen zu machen“, verfolgte sie mit Bußübungen, geißelte sie schon für kleine Vergehen – Konrad wurde wegen seiner fanatischen Strenge 1233 erschlagen. Elisabeth lebte aus der Überzeugung, ganz arm sein zu wollen, ging von Tür zu Tür betteln und wollte öffentlich auf allen ihr juristisch zustehenden Reichtum verzichten; Konrad hinderte sie am Verzicht, um das Vermögen zu retten. Mit diesem Witwenvermögen errichtete sie daraufhin 1229 in Marburg ein Spital, benannte es nach Franziskus und arbeitete dort selbst als Pflegerin bis zu ihrem Tod. Sie ließ nun auch ihre Kinder zurück und trat in die von Konrad geleitete Hospitalitergemeinschaft ein – nicht als Tertiarin in den Franziskanerorden wie oft angenommen. Im November 1231 wurde Elisabeth krank; es heißt, dass ihre letzten Tage von kindlicher Heiterkeit überstrahlt waren. Wenige Tage vor ihrem Tod hatte sie eine Vision von einem Vogel, der zwischen ihr und der Wand fröhlich sang und sie dazu bewegte, mitzusingen. Sie verschenkte ihre letzten Sachen und soll sogar noch ihre Gefährtinnen getröstet haben. Elisabeth starb mit vierundzwanzig Jahren, aufgezehrt in der Fürsorge für andere, und wurde in ihrem Franziskus Hospital bestattet. Bereits vier Jahre nach Elisabeths Tod erfolgte ihre Heiligsprechung durch Papst Gregor IX.
11-19
Bild: Elisabeth und Klara von Assisi, Fresko in der Unteren Kirche des Franziskus in Assisi, um 1321.

20. November:
Kolumban, der Jüngere (von Luxeuil, von Bobbio)
Klostergründer, Abt, Glaubensbote in Alemannien
* um 542 in Leinster in Irland
† 23. November 615 in Bobbio in Italien

Kolumban trat nach eigener Entscheidung gegen den Willen der Eltern im Alter von knapp 20 Jahren ins Kloster Bangor ein. Hier wirkte er fast 30 Jahre lang in verschiefdenen Ämtern, in Irland gründete er bedeutende Klöster wie Durrow und Kells. Mit zwölf Gefährten zog Kolumban um 590 als Glaubensbote in die Bretagne, dann nach Burgund und gründete wieder einige Klöster, u.a. 593 das von Luxeuil, dessen erster Abt er wurde. Später stellte er selbst Klosterregeln auf für die von ihm gegründeten Klöster, die sich durch außerordentliche Strenge von den seitherigen Regeln abhoben. Kolumban legte Wert auf handwerliches Können und landwirtschaftliches Wissen, aber auch auf Rhetorik und Kunstsinnigkeit. Zunächst setzten sich diese Regeln in fast ganz Europa durch, erst später wurden sie wieder von den milderen BenediktinerRegeln abgelöst. Da Kolumban sich zur Errechnung des Osterdatums der keltischen Methode bediente, kam es um 602 zu Kontroversen zwischen ihm und den französischen Bischöfen. Seine Kritik an einer unmoralischen Affäre des burgundischen Königs Theoderich II. führte schließlich 610 zu seiner Verbannung aus Burgund. Kolumban wandte sich zur Mission im Oberrheingebiet um Freiburg, dann in Richtung Bodensee nach Bregenz und in die Schweiz. Hier wurde er 613 von den Einheimischen vertrieben, ließ aber seinen erkrankten Gefährten Gallus zurück und ging über die Alpen nach Oberitalien, wo ihm der Langobardenherzog Agilolf Land im Val Trébbia schenkte. Hier gründete er 612 das Kloster Bobbio, wo er sein Leben friedlich beenden konnte und wo er auch begraben ist.

21. November:
Maria – Fest Mariä Tempelgang

Das Fest „Mariä Tempelgang“ oder Mariä Opferung“, der „Gedenktag Unserer Lieben Frauen in Jerusalem“ erinnert an die Geschichte, wonach der Überlieferung gemäß Maria im Alter von drei Jahren von ihren Eltern in den Tempel nach Jerusalem gebracht wurde, wo sie unter Tempeljungfrauen erzogen werden sollte. Der Tag war ursprünglich der Gedenktag der am 21. November 543 in Jerusalem erfolgten Weihe der Kirche „Sancta Maria Nova“, die in der Nähe des jüdischen Tempels erbaut wurde. Im 8. Jahrhundert wurde der Tag in Konstantinopel bereits als Mariengedenktag begangen, seit dem 11. Jahrhundert war er im Abendland bekannt, 1472 wurde er von Papst Sixtus IV. für die gesamte katholische Kirche festgeschrieben.

22. November:
Cäcilia
Märtyrerin
* um 200 in Rom
† 22. November 230 (?) in Rom

Das Fest der Cäcilia ist in der Kirche des römischen Stadtteils Trastevere schon 545 nachgewiesen. Als Papst Paschalis I. 819 nach ihrem Grabe suchte, erschien sie ihm; er fand ihren Sarg und ließ ihn in die von ihm über einem Bau des 5. Jahrhunderts neu errichtete Kirche S. Cecilia in Trastevere bringen. Die nach der Sargöffnung um 1599 wohl von Stefano Maderna geschaffene Marmorfigur soll den Leichnam getreu abbilden. Reliquien sind auch in Hildesheim und Albi. Cäcilia war eine der volkstümlichsten Heiligen, ihr Name war ein häufig verwendeter Mädchenname. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Eine andere Legende erzählt von ihrer Hochzeitsfeier: Während die Musikinstrumente erklangen, sang Cäcilia – in ihrem Herzen und nur zu Gott gewandt: „Lass, Herr, mein Herz und meinen Körper unbefleckt bleiben, auf dass ich nicht zuschanden werde.“ Sie wird im ersten Eucharistischen Gebet angerufen.

23. November:
Clemens I.
römischer Gemeindevorsteher, Märtyrer, Apostolischer Vater
* um 50 in Rom
† 97 (oder 101) in Rom (?) oder auf der Krim (?)

Clemens gilt Irenaeus zufolge als der dritte Nachfolger von Petrus als Gemeindevorsteher von Rom. Nach der Überlieferung suchte Clemens als junger Gelehrter bei den Philosophen einen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele; er fand ihn im Hören auf eine Predigt des Apostels Barnabas, die ihn bekehrte. Er wurde von Barnabas getauft und zu Petrus geführt, erfuhr von diesem die Bestätigung der Unsterblichkeit und wurde von ihm zum Nachfolger als römischer Gemeindevorsteher bestimmt. Nach dem Tod von Petrus wollte er diese Wahl nicht annehmen, überließ erst Linus dann Anenkletos das Amt, wurde aber um das Jahr 88 gezwungen, das Amt zu übernehmen, das er bis 97 innehatte, wie es die frühen Papst-Verzeichnisse angeben.
Einer der Sinnsprüche von Clemens lautet: „Der Herr selbst, als ihn einer fragte, wann sein Königreich komme, sagte: ‚Wenn zwei eins sind und das Äußere wie das Inwendige, und der Mann mit dem Weibe, weder Mann noch Weib‘.“

24. November:
Johannes vom Kreuz (Juan de la Cruz)
Prior, Mystiker, Kirchenlehrer
* 24. Juni 1542 in Fontiveros bei Salamanca
† 14. Dezember 1591 in Úbeda

Johannes vom Kreuz – spanisch: Juan de la Cruz – stammte aus verarmtem Adel. Mehrere Versuche, ein Handwerk zu erlernen, scheiterten; schließlich wurde er Pfleger im Krankenhaus von Medina del Campo, arbeitete mit großem Eifer und war bei den Kranken sehr beliebt. Nebenbei besuchte er Kurse im örtlichen Jesuitenkolleg. 1563 trat Johannes in Medina in den Karmeliterorden ein, er konnte Theologie und Philosophie in Salamanca studieren und wurde 1568 zum Priester geweiht. Die Ordnung im Karmeliterorden genügte nicht seinen strengen Vorstellungen, er erwog, sich den Kartäusern anzuschließen, bis er Teresa von Ávila kennenlernte. Sie hatte aufgrund ähnlicher Vorstellungen ihr Reformwerk im Karmeliterorden begonnen; er unterstützte nun ihr Werk, wurde Spiritual und Beichtvater in ihrem Kloster. Er erwies sich als talentierter Organisator, bald gründete er neue Klöster nach seinem strengen Ordensverständnis. Johannes schuf eines der umfassendsten Werke der Mystik, so der „Aufstieg zum Berge Karmel“. Zu den schönsten Gedichten gehören „Cántico espiritual“, „Göttliche Liebesflamme“ oder „Das Lied der Liebe“ und „Llama de amor viva“, „Lebendige Liebesflamme“. In seinem bekanntesten mystischen Gedicht, „Noche escura del alma“, „Die dunkle Nacht der Seele“, beschrieb er das Trachten der Seele nach der Vereinigung mit Gott, die sie durch eine zu Kreuzigung und Auferstehung Jesu parallele Erfahrung erreicht. Als seine Quellen nannte er seine Erfahrungen und die Wissenschaft unter Führung des Heiligen Geistes. Er gilt als der wichtigste Kirchenlehrer der mystischen Theologie, Papst Pius nannte seine Schriften ein „Gesetzbuch und Schule der gläubigen Seele“.
11-24

26. November:
Konrad von Konstanz
Bischof von Konstanz
* um 900 in Altdorf bei Konstanz in Baden-Württemberg
† 26. November 975 in Konstanz

Konrad war Sohn des Grafen Heinrich von Altdorf. Er wurde in der Domschule von Konstanz erzogen, zum Kanonikus und Propst des Domstifts ernannt und 934 von Bischof Ulrich von Augsburg zum Bischof von Konstanz geweiht. Dreimal unternahm er Wallfahrten nach Jerusalem. Mildtätigkeit und tiefe Frömmigkeit zeichneten ihn besonders aus, einen großen Teil seines Vermögens gab er zur Errichtung von Kirchen und Hospitälern. Die Legende betont seine außerordentliche Selbstbeherrschung: als während des österlichen Pontifikalamtes eine Spinne in den Kelch gefallen war, trank er ohne Scheu; die Spinne aber kam, als er sich später zum Mittagessen setzte, wieder aus seinem Munde hervor.

27. November:
Virgilius von Salzburg
Bischof von Salzburg, Glaubensbote
* um 700 in Irland
† 27. November 784 in Salzburg

Virgilius, von adliger Herkunft, verließ nach seiner Ausbildung die Heimat mit zwei Gefährten, um auf dem Festland für den Glauben zu wirken. Nachdem er zwei Jahre am Hof Pippins, des Kleinen, tätig war, ließ dieser ihn durch seinen Schwager Odilo 743 nach Bayern rufen. Virgilius wurde Abt in St. Peter in Salzburg, 755 Bischof in der Stadt.

28. November:
Gregor III.
Papst
* in Syrien (?)
† 28. (?) November 741 in Rom

Gregor war Priester in Rom, er wurde 731 zum Papst gewählt. In seiner Amtszeit spitzte sich der Streit um die Bilderverehrung, die Gregors Vorgänger Gregor II. noch unterstützt hatte, zu. Gleich zu Beginn seines Pontifikats schickte Gregor dem byzantinischen Kaiser Leon III. die Aufforderung, die Bilderverehrung zu beenden. Leon ließ den Boten ins Gefängnis werfen, Gregor drohte mit der Exkommunizierung, Leon schickte eine Kriegsflotte, die aber wegen eines Sturmes unterging. Danach besetzte Leon Sizilien, Illyrien – in etwa das heutige Slowenien und Kroatien – und Griechenland und unterstellte diese Gebiete dem Patriarchen von Konstantinopel.
11-28

29. November:
Jutta (Julitta) von Heiligental
erste Äbtissin in Heiligental
* um 1200 in Franken
† vor 1251 in Heiligental in Bayern

Jutta war erste Äbtissin im Zisterzienserinnenkloster Heilgental, das vor 1222 gegründet wurde. Jutta wurde am Hochaltar der Klosterkirche bestattet. Bald entstand eine bedeutende Wallfahrt, wobei Kranke aus einer Schale tranken, die von einer Armreliquie der Jutta eingefasst war und Heilung verhieß. 1579 kam die Schale nach Würzburg, später ging sie verloren.

30. November:
Andreas
Apostel, Märtyrer
* in Bethsaida, dem heutigen Mahjar in Syrien, oder Kapernaom
† 30. November 60 (?) in Patras in Griechenland (?)

Der Apostel Andreas war der Bruder des Simon Petrus wie dieser von Beruf Fischer; er stammte aus Bethsaida (Johannesevangelium 1, 14) oder Kapernaom (Markusevangelium 1, 29), Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes‘, des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 – 40). Wohl im Kreise der Zwölf bei Abendmahl, Himmelfährt und Pfingsten anwesend, wird er sonst nicht besonders genannt.
11-30
Bild : El Greco: Andreas, 1606, Museo del Greco, Toledo

Quellenhinweis: Ökumenisches Heiligenlexikon – www.heiligenlexikon.de
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