Oktober

1. Oktober:
Thérèse von Lisieux (vom Kinde Jesu)
Nonne, Mystikerin, Kirchenlehrerin
* 2. Januar 1873 in Alençon in der Normandie
† 30. September 1897 in Lisieux

Marie-Françoise Thérèse Martin, neuntes Kind der Familie, wurde früh Halbwaise;
Thérèse entschloß sich, bei den Karmelitinnen von Lisieux ein kontemplatives Leben zu führen wie ihre Schwestern Pauline und Marie, doch der zuständige Bischof verweigerte wegen ihres jugendlichen Alters die Aufnahme. 1887 wallfahrtete sie mit ihrem Vater nach Italien, besuchte die heiligen Stätten in Rom und bat während einer Audienz bei Papst Leo XIII. für die Pilger aus Lisieux den Heiligen Vater mit kindlicher Kühnheit um Aufnahme in den Karmel, aber auch das war vergeblich.
Erst 1888 konnte sie in den Karmel von Lisieux eintreten.
Ihr Glaube wurde auch durch die Krankheit ihres geliebten Vaters Louis Martin auf die Probe gestellt, der im Juli 1894 starb. Trotzdem wuchs in Thérèse die Heiligkeit, in ihren autobiographischen Manuskripten hinterließ sie Beschreibungen ihrer geistlichen Erfahrungen. Sie fand den Weg heiliger Kindheit und lehrte ihn den ihr anvertrauten Novizinnen. 1893 wurde sie zweite Novizenmeisterin der Abtei. Sie empfand es als besondere Gabe, zwei Missionsbrüder mit Gebeten zu begleiten, und wurde sich immer mehr ihrer apostolischen und missionarischen Berufung bewusst.
1898 erschien unter dem Titel „Histoire d’une âme“, „Geschichte einer Seele“ ihre Autobiografie, die zu den meistgelesenen religiösen Autobiografien gehört. Ihre Schriften wurden in über 50 Sprachen übersetzt. Bereits kurz nach ihrem Tod sprach man Thérèse eine Vielzahl von Wundertaten zu, die ihre geheimnisvollen Worte „Nach meinem Tod will ich es Rosen regnen lassen“ im Nachhinein mit Bedeutung zu füllen schienen.
10-01

2. Oktober:
Schutzengel

Das Fest erinnert an das Wirken der Schutzengel, die die Menschen in ihrem Leben begleiten und vor Schaden bewahren. Nicht nur jeder Mensch, auch Königreiche und Staaten, Landstriche und Städte, Diözesen und Kirchen, Vereine und Familien haben demnach ihren Schutzengel.
Das Fest wurde in Spanien im 16. Jahrhundert gefeiert, 1608 führte Papst Paul V. es für die ganze katholische Kirche ein, 1670 legte Papst Clemens X. den Termin auf das heutige Datum, drei Tage nach dem Fest für Michael.

3. Oktober:
Candidus
Märtyrer
† 302 (?) bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice

Candidus war einer der Märtyrer der Thebäischen Legion des Mauritius, die sich weigerten, an der Christenverfolgung mitzuwirken.
Die Gebeine der Märtyrer wurden schon um 380 wieder aufgefunden, über den Grabstätten entstand eine Kirche, die zum Wallfahrtsort wurde.
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4. Oktober:
Franziskus von Assisi
Ordensgründer
* um die Jahreswende 1181/82 in Assisi
† 3. Oktober 1226 daselbst

Giovanni Bernardone war der Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes und seiner französischen Ehefrau; das Elternhaus kann bis heute besichtigt werden. Als Jüngling bekam er den Rufnamen Francesco wegen seiner von der Mutter geerbten Vorliebe für die französische Sprache und ritterlich-höfisches Leben. Er führte ein fröhliches und sorgloses Leben und wollte Ritter werden. Nach einer Schlacht zwischen Assisi und Perugia wurde er über ein Jahr in Perugia festgehalten und litt während seiner Gefangenschaft an einer schweren Krankheit, die ihn zu seiner Bekehrung führte. 1203 wurde er aus der Gefangenschaft befreit, kehrte nach Assisi zurück, unternahm eine Wallfahrt nach Rom und und pflegte Leprakranke. 1207 bis 1209 führte er ein Einsiedlerleben, während dessen wird ihm der Aufbau von zwei anderen zerstörten Kirchen zugeschrieben. Zunächst wurde Franziskus für verrückt erklärt, doch faszinierte Franziskus‘ tiefer Ernst, seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung, seine Zuneigung zu den Menschen immer mehr.
1210 von Papst Innozenz III. mündlich gebilligt, nachdem er die Vision eines zu seinen Füßen aufwachsenden Palmbaums hatte, in der ein armer unbekannter Mönch die berstenden Mauern der Laterankirche stützt. 1222 zog Franziskus sich in die Einsamkeit von Alverna, einem kleinen Kloster, zurück. Die Entbehrungen und die Erschöpfung beeinträchtigten zunehmend seine Gesundheit, schließlich drohte Franziskus auch zu erblinden. Zur Behandlung kam er nach Siena, doch er lehnte weitere medizinische Hilfe ab, diktierte sein Testament und ließ sich unter großem Geleit nach Portiuncula zurücktragen. Dort starb er auf bloßem Boden liegend und nackt, um auch im Sterben Jesus ähnlich zu sein, umgeben von seinen Ordensgenossen, mit denen er gemeinsam und in froher Erwartung von „Bruder Tod“ das Abendmahl gefeiert hatte. Seine Brüder bestatten ihn in Assisi.
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Bild : Giovanni Cimabue (um 1240 – 1302): Fresko in der Unterkirche der Basilika S. Francesco in Assisi

5. Oktober:
Flavia
Jungfrau, Märtyrerin (?)
† 542 in Messina

Flavia, Schwester des Placidus von Subiaco, lebte als christustreue Jungfrau in dem von ihrem Bruder zu Anfang des 6. Jahrhunderts gegründeten Klosters in Messina, wo sie im Jahre 542 von Seeräubern überfallen und zusammen mit ihrem Bruder getötet worden sein soll.
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Bild: Pietro Perugino(1495 – 98), in der Pinakothek im Vatican

6. Oktober:
Bruno, der Kartäuser (von Köln)
Einsiedler, Ordensgründer
* um 1035 in Köln
† 6. Oktober 1101 in San Stefano di Bosco bei La Torre

Bruno entstammte einer niederrheinischen Adelsfamilie. Er studierte in Köln und in Reims, wo er einen Lehrauftrag erhielt und ab 1057 die Leitung der Schulen der Diözese innehatte. Er war ein Lehrer, von dem seine Schüler, unter anderem auch der spätere Papst Urban II., begeistert waren. Die angestrebte Wahl zum Bischof von Reims scheiterte, weil ein Mitbewerber das Amt erkaufte. Mit Reformeifer trat er nun gegen Simonie und Amtsmissbrauch auf, gerade auch gegen seinen Ortsbischof in Reims, und lebte selbst in strenger Askese. Schließlich musste er nach langen Auseinandersetzungen aus Reims fliehen. Sein Rivale wurde von Papst Gregor VII. abgesetzt, aber wieder bekam ein anderer, ein Günstling des Königs, das Amt übertragen. Als ein berühmter Lehrer der Philosophie bei der Beerdigung sich aus dem Sarg erhoben und schreiend seine Verdammnis beklagt habe, soll dieser Vorfall Bruno veranlasst haben, sein Kanonikat 1080 niederzulegen. Er zog sich in ein einsames Gebiet nahe bei Molesme zurück, wo Robert gerade seinen Zisterzienserorden gegründet hatte. 1084 ging er mit sechs Begleitern in die „Cartusia“ genannte Wildnis bei Grenoble, wo ihm sein früherer Schüler Bischof Hugo von Grenoble Land schenkte. Bruno gründete ein kleines Bethaus mit sechs einzelnen Zellen; absolutes Schweigegebot, Verständigung nur durch Zeichen und Zusammenkunft nur zur nächtlichen Stunde mit Gregorianischen Chorälen und zur Messe bildeten die Regel. 1084 entstand daraus der Kartäuserorden. Sechs Jahre lang konnten sie ungestört das Leben in Einsamkeit und Stille führen, bis Bruno von seinem ehemaligen Schüler Papst Urban II. 1089 aufgeordert wurde, als Berater zu ihm nach Rom zu kommen. Bruno kam dieser Aufforderung nur widerwillig nach und wies standhaft die Belehnung mit dem Bistum Reggio ab. Bruno begleitete Urban dann auf der Flucht vor dem drohenden Ansturm des Kaisers Heinrich IV. in die Campania. Vom Papst wieder ins Einsiedlerdasein entlassen, erhielt er Land von == Roger von Sizilien, dem er im Traum erschienen war, um ihn vor einem Verrat zu warnen; darauf gründete Bruno 1091 das erste große Kartäuserkloster bei Squillace in der Wildnis von Kalabrien, wenig später in der Nähe ein weiteres in San Stefano di Bosco, wo er bis zum Tod lebte. Der Kartäuserorden wurde erst 1176 vom Papst anerkannt.
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7. Oktober:
Maria – Fest Rosa – „Rosenkranzfest“

Das Rosenkranzgebet entstand nach 1450. Die Rosenkranz-Verehrung kommt auf, als 1475 die Dominikaner in Köln Maria zur Königin des Rosenkranzes erklärten, da Maria Dominikus die Gebete des Rosenkranzes gelehrt bzw. ihm den Rosenkranz überreicht habe. Starke Verbreitung in der katholischen Kirche fand dieses Gebet nach dem Sieg der christlichen Flotte über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571, ein Erfolg, der dem Rosenkranzgebet der Christenheit zugeschrieben wurde, nachdem Papst Pius V. dieses Gebet um Hilfe angeregt hatte. Pius‘ Nachfolger Papst Gregor XIII. legte den Tag dieses Sieges als das Rosenkranzfest fest.
10-07

8. Oktober:
Reparata
Märtyrerin
† um 250 in Cäsarea in Palästina

Reparata erlitt im Alter von 12 Jahren unter Kaiser Decius grausame Martern durch Abschneiden der Brüste und Zerschneiden der Eingeweide, schließlich wurde sie enthauptet. Als ihr Kopf fiel, flog eine weiße Taube gen Himmel.
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Bild: Skulptur von Andrea Pisano, aktiv um 1290 – 1349 in Pisa

9. Oktober:
Dionysius (Dénis) von Paris
Glaubensbote in Gallien, erster Bischof von Paris, Märtyrer, Nothelfer
* in Italien (?)
† nach 250 in Paris

Dionysius wurde vom römischen Bischof Fabianus mit sechs anderen Bischöfen als Missionar nach Gallien geschickt und war vermutlich der erste Bischof von Paris, dem damals römischen Lutetia. Gregor von Tours berichtet, dass er um 250 zu predigen begonnen habe. Daraufhin ordnete der zuständige römische Gouverneur seine Verhaftung an und ließ ihn enthaupten. Dionysius soll danach aufgestanden und mit seinem Kopf in den Händen ein Stück weit gelaufen sein, um seinen Kopf vom Richtplatz Montmartre zu dem Ort zu tragen, wo er begraben sein wollte. An jener Stelle, wo Dionysius sich niedergelegt haben soll, errichtete der fränkische König Dagobert I. 626 die nach Dionysius benannte Abtei mit der Kathedrale Saint-Denis, die dann auch den französischen Königen als Grablege diente. Weil er enthauptet wurde, wird Dionysius gegen Kopfweh angerufen. Sein Kult war in Frankreich und Spanien, später auch in Deutschland verbreitet. Er war Patron der französischen Könige und ist einer der 14 Nothelfer .
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Bild : „Steinhövelfenster“, Speyer 1280, in der Kirche St. Dionys in Esslingen in Baden-Württemberg

10. Oktober:
Daniele Comboni
Bischof von Khartum, Missionar
* 15. März 1831 in Limone am Gardasee in Italien
† 10. Oktober 1881 in Khartum / Al-Hartoum im Sudan

Daniele war Priester, er gründete 1867 in Verona den „Missionsverein vom Guten Hirten“ und eröffnete noch im selben Jahr die erste Niederlassung in Kairo. 1870 unterrichtete er beim 1. Vatikanischen Konzil Papst Pius IX. von seinen Plänen zur Missionierung Afrikas. 1871 verfasste er eine Ordensregel, 1872 gründete er eine Schwesterngemeinschaft und eine Zeitschrift für die Missionsarbeit in Afrika, die noch heute unter dem Titel „Nigrizia“ erscheint. Auf ihn geht die Widerbelebung der Missionsarbeit in Schwarzafrika zurück. 1873 ging er nach Khartum, 1877 wurde er zum dortigen Bischof ernannt. Heute arbeiten über 4.000 Ordensleute und Mitglieder des Säkularinstituts in 24 Ländern in Afrika und Mittelamerika.
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11. Oktober:
Quirinus von Malmédy (von Rouen)
Priester, Märtyrer
† um 320 (?) in Gasny in Frankreich

Quirinus wirkte nach der Überlieferung als Priester und Glaubensbote um 312 unter Bischof Nicasius von Rouen in der Gegend von Vexin und fand mit seinem Bischof den Märtyrertod durch Enthauptung.
Quirinus‘ Gebeine wurden im 9. Jahrhundert nach Malmédy übertragen.

12. Oktober:
Edistus (Aristus, Orestes, Horestes)
Märtyrer
† im 1. Jahrhundert in Rom

Die Legenden schildern Edistus‘ Martyrium in der Zeit von Kaiser Nero. Edistus‘ Grab wurde an der Via Laurentina verehrt. Im 6. Jahrhundert gab es ein nach ihm benanntes Kloster an der Basilika San Paolo fuori le Mura.

13. Oktober:
Lubentius
Priester
† Mitte des 4. Jahrhunderts (?) in Kobern an der Mosel

Lubentius war der Überlieferung nach Schüler des Martin von Tours und wurde von Bischof Maximin von Trier zum Priester geweiht; er wirkte in Kobern an der Mosel. Seine Gebeine wurden nach Dietkirchen an der Lahn übertragen, später darüber ihm zu Ehren eine Kirche gebaut, in der bis heute sein Sarg und sein Kopfreliquiar verwahrt wird.

14. Oktober:
Burkhard von Würzburg
erster Bischof von Würzburg
* um 700 in England
† 2. Februar (?) 754 in Italien (?)

Burkhard war einer der angelsächsischen Benediktinermönche, die mit nach Friesland und Deutschland ausgezogen waren. 741 wurde er erster Bischof von Würzburg – Bonifatius besetzte die neu gegründeten Bistümern mit Männern seines Vertrauens – und 743 von Papst Zacharias bestätigt. Burkhard begann den Dombau an der Martyrienstätte des Kilian als Holzkirche „nach schottischer Bauweise aus zugehauenem Holz“ und gründete 750 das Andreaskloster. Die Reliquien Kilians wurden 752 in das Domstift übertragen, das mit irischen Benediktinermönchen besetzt wurde. Burkhard legte nach der Überlieferung 751 sein Amt nieder und zog sich in eine Tropfsteinhöhle bei Hohenburg im Maintal zurück. Während einer Wallfahrt nach Rom starb er beim Übergang über den Apennin. Der 14. Oktober ist der Tag der Erhebung von Burkhards Gebeine. Die Reliquien brachte Bischof Hugo um 990 in das Andreas-Kloster.
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Bild: Tilman Riemenschneider: Holzstatue eines Bischofs, wohl Burkhard von Würzburg, um 1515/1520, National Gallery of Art in Washington

15. Oktober:
Teresa von Ávila (von Jesus) („die Große“)
Nonne, Mystikerin, Kirchenlehrerin
* 28. März 1515 in Ávila bei Salamanca in Spanien
† 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes bei Salamanca in Spanien

Mit 16 Jahren kam Teresa zur weiteren Erziehung ins Kloster der Augustinerinnen ihrer Heimatstadt, 1535 entschloss sie sich zum Eintritt in den Orden der Karmelitinnen. Der Abschied von der Welt war ihr „als trennte sich jeder einzelne Knochen extra“. Nach einem Jahr brach sie zusammen, lag einige Tage im Koma und fiel in eine Art Starre, so dass man sie für tot hielt, ihre Augen bereits mit Wachs verschlossen hatte und sie beinahe lebendig begraben hätte. Teresa hatte danach erste mystische Visionen, mit Standhaftigkeit überwand sie weitere schwere Krankheiten, Schmerzen und seelische Prüfungen. 1539 kam es nach einer Begegnung mit dem leidenden Christus zur – wie sie es nannte – „endgültigen Bekehrung“; in ihrem Kloster und von der Ordensleitung wurde sie deshalb oft nicht ernst genommen, ja bekämpft. 1562 erfolgte mit Genehmigung des Papstes und des Ortsbischofs die Gründung eines Reformklosters in Ávila, die „unbeschuhten Karmelitinnen“ mit strengster Klosterzucht waren geboren. Zusammen mit Johannes vom Kreuz gründete sie ab 1568 insgesamt 32 solche Reformklöster für Frauen und für Männer; in ihrem „Buch der Gründungen“ berichtete sie später darüber. Auf einer Visitationsreise starb sie im von ihr gegründeten Kloster von Alba de Tormes.
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16. Oktober:
Hedwig von Schlesien (von Andechs)
Herzogin von Schlesien
* 1174 auf Schloss Andechs am Ammersee
† 15. Oktober 1243 in Trebnitz, dem heutigen Trebnica in Polen

Hedwig, Tochter des Grafen Berthold von Andechs, wurde von ihrer Tante, der Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Kitzingen, dort erzogen. Eine ihrer Schwestern wurde die Frau des französischen Königs, die andere die des ungarischen; auch Hedwig musste mit zwölf Jahren den Herzog Heinrich I. von Schlesien heiraten und gebar ihm sieben Kinder. Während sich ihr Mann dem Aufbau und der Sicherung des Landes widmete und dazu viele deutsche Siedler in das slawische Gebiet zog, arbeitete Hedwig an der Einwurzelung christlichen Gedankengutes, diente hingebungsvoll Armen und Kranken, gründete Frauenklöster, unterstützte verschiedene Orden bei der Gründung von Niederlassungen. Sie selbst habe eine Marienstatue ständig bei sich getragen, um sie immer andächtig betrachten zu können. Nach 22-jähriger Ehe gelobten Heinrich und Hedwig Enthaltsamkeit. 1201 / 02 gründete Hedwig das Zisterzienserinnenkloster Trebnitz, das sie für 1.000 Nonnen, Zöglinge und Dienstpersonal ausbaute. Ihr privates Leben war von persönlichem Leid überschattet: ihr Heimatschloss wurde völlig zerstört, ihre Schwester Gertrud fiel einem Mordanschlag zum Opfer, sechs ihrer Kinder starben, dazu 1238 auch ihr Mann. Sie lebte nach dem Tod auch des ältesten Sohnes ab 1241 im Kloster Trebnitz. Sie habe sich selbst im Winter durch Barfußgehen kasteit; der Bischof verordnete ihr Schuhe, aber sie habe ihn überlistet, indem sie die Schuhe wohl gehorsam trug, aber in der Hand. Hedwigs Grab ist in Trebnitz. Reliquien liegen in Andechs. Schlesische Vertriebene haben seit dem 2. Weltkrieg dort den Hedwig-Kult stark wiederbelebt
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Bild: Miniatur aus der Schlackenberger Hedwislegende von 1353

17. Oktober:
Ignatius von Antiochien („Theophorus“)
Bischof von Antiochia, Märtyrer, Apostolischer Vater
* um 35
† 17. Oktober (?) vor 117 in Rom

Ignatius wird als Schüler des Apostels Johannes angesehen, Johannes selbst soll Ignatius zum Bischof von Antiochia – dem heutigen Antakya in der Türkei – ernannt haben. Mit seiner Betonung der bischöflichen Autorität festigte er die organisatorischen Fundamente der jungen Kirche. Deswegen und wegen seines starken und leidenschaftlichen Glaubens wird er auch „Theophoros“, „Gottesträger“ genannt und „Säule der Kirche“. Ignatius war der erste christliche Autor, der die Jungfrauengeburt Jesu aus Maria betonte und der erste, der den Begriff „katholisch“ für die Kirche verwandte. Er klagte für die Institution des Bischofs alle Autorität in Lehr- und Ordnungsfragen ein und forderte die Unterwerfung der Diakone und Laien unter die kirchliche Autorität: „Es ist klar, dass man den Bischof wie den Herrn selbst ansehen muss.“ Und: „Wer den Bischof ehrt, wird von Gott geehrt; wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel“, hieß es in seinen Predigten. Ignatius‘ Lehren trugen entscheidend zur Herausbildung des Gegensatzes zwischen Laientum und Klerus bei.
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Bild : Griechische Ikone

18. Oktober:
Lukas
Evangelist
* in Antiochia, dem heutigen Antakya (?)
† um 80, in Bithynien in der Türkei (?) oder in Achaia in Griechenland (?)

Lukas stammte vermutlich aus Antiochien, war Heidenchrist, von Beruf Arzt (Kolosserbrief 4, 14). Über seine Bekehrung zum Christentum ist nichts überliefert. Lukas schloss sich in Troas Paulus an und begleitete diesen als Gefährte und treuer Freund auf dessen zweiter und dritter Reise, der Romreise, und während der Gefangenschaft (Römerbrief 16, 21; 2. Timotheusbrief 4, 11). Lukas gilt als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums und als Autor der Apostelgeschichte, als deren Entstehungszeit heute allgemein die Jahre zwischen 70 und 80 angesehen wird.
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Bild : Russische Ikone

19. Oktober:
Paul vom Kreuz
Ordensgründer
* 3. Januar 1694 in Ovada bei Genua
† 18. Oktober 1775 in Rom

Paul wurde als ältestes von 16 Kindern in der zweiten Ehe seines Vaters, des verarmten Adligen Danei, geboren. Eine Predigt seines Dorfpfarrers bewirkte seine Bekehrung. Zwar arbeitete er weiter im Betrieb seines Vaters, engagierte sich aber mehr und mehr in der katechetischen Arbeit seiner Gemeinde, zudem verbrachte er viele Stunden jeden Tag im Gebet und mit geistlichen Übungen. Eine Vision führte ihn für 40 Tage in die Einsamkeit, wo er die Grundzüge der späteren Regeln seines Ordens ausarbeitete. Mit Hilfe seines Ortsbischofs sammelte Paul Gefährten und gründete 1725 mit Zustimmung des Papstes den Orden der „Passionisten“, „Vom Leiden Jesu“, der die Tatkraft der Jesuiten mit der Einsamkeit der Kartäuser verbinden sollte. Paul lebte selbst in völliger Einsamkeit, zeitweise zog er als Bußprediger durch das Land und wurde schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt, bis schließlich das erste Kloster des Ordens auf dem Monte Argentario auf der Lagune Orbetello eröffnet werden konnte. Seine Frömmigkeit wurzelte vor allem in der Kreuzesliebe und im mystischen Gebetsleben. 1769 wurde Paul Ordensgeneral, das Generalat verlegte er ins Kloster S. Giovanni e Paolo nach Rom, das ihm Papst Clemens XIV. übergeben hatte. Das Sterbezimmer von Paul ist unverändert erhalten, in der Klosterkapelle werden seine Reliquien aufbewahrt.
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20. Oktober:
Wendelin
Einsiedler, Abt, Nothelfer
* um 555 in Schottland (oder Irland)
† 617 in Tholey

Wendelin war der Überlieferung nach ein schottischer Königssohn. Aus Ärger über seine religiöse Neigungen verlangte sein Vater von ihm, Schafe zu hüten. Mit sechs Genossen wollte er nach Rom wallfahrten, gelangte aber nur bis Trier. Dort stießen sie auf eine Gruppe von Laien, die gemeinsam wie in einem Kloster lebten. Wendelin übernahm Hirtendienste bei einem Edelmann und trieb das Vieh bis zu einem sieben Meilen entfernten Berg, wo er gerne betete. Der als räuberisch geschilderte Herr der Herde kam unerwartet vorbei und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte und ihm das zum Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde bringen können. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken, bat der Herr Wendelin um Vergebung, baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden war. In Tholey starb Wendelin. Von vielen Kerzen umgeben, bestatteten ihn die Mönche, fanden aber am nächsten Morgen den Leichnam neben dem Grabe. Sie nahmen dies als Zeichen, dass er andern Orts begraben sein wollte und spannten Ochsen vor einen Wagen; diese fuhren ihn, von selbst den Weg findend, auf den Berg, auf dem er betend so oft geweilt hatte.
Eine große Wallfahrtsstätte entstand an der neuen Grabstelle, aus der sich die nach ihm benannte Stadt St. Wendel an der Saar entwickelte. Im Rheinmoselgebiet ist Wendelins Verehrung weit verbreitet.

21. Oktober:
Ursula von Köln
Märtyrerin
* in England (?)
† um 304 (?) oder um 451 (?) in Köln

Ursula war eine Frau, die – möglicherweise in der Diokletianischen Verfolgung um 304 – in Köln zusammen mit Gefährtinnen ermordet wurde. Die Rede von 11.000 Leidensgenossinnen beruht auf einer versehentlichen Multiplikation der tatsächlichen Zahl mit dem Faktor Tausend. Die Legende erzählt von Ursula als der – durch ihre Schönheit weithin berühmten – Tochter des christlichen Königs Maurus. Schon in jungen Jahren habe sie sich ewiger Jungfräulichkeit verschrieben, ihr Vater aber verlobte sie mit dem englischen Fürstensohn Aetherius. Dem sei vom Kaiser für erwiesene Treue ein Stück Land – die heutige Bretagne in Frankreich – geschenkt worden; hier wollte er sich nach seiner Eheschließung niederlassen. Ursula erbat drei Jahre Frist; in dieser Zeit sollte Aetherius im christlichen Glauben unterrichtet und getauft werden. Sie selbst wolle sich mit zehn erlesenen Jungfrauen, denen sie selbst als elfte angehören wolle, vorbereiten: zu ihnen sollten sich je tausend weitere Jungfrauen gesellen, sie alle sollen geweiht und getauft, aber auch in ritterlichen Spielen ausgebildet werden und einen Schwur auf neue Ritterschaft leisten.Bei glückhaftem Wind brachen sie auf, gelangten aber in der Nordsee durch einen schweren Sturm in die Rheinmündung und dann nach Köln, wo Königin Sigillindis sie freundlich begrüßte. Ursula erfuhr im Traum von einem Engel, dass sie nach ihrem Besuch in Rom wieder nach Köln zurückkehren werde, um hier das Martyrium zu erleiden. Alle fuhren zunächst auf dem Rhein weiter nach Basel, von dort gingen sie zu Fuß nach Rom. Inzwischen erschien auch dem Aetherius ein Engel, der ihm kundtat, er solle seiner Braut entgegen fahren. Mit Mutter, Schwester und dem Bischof Marculus von Griechenland gelangte er ebenfalls nach Rom. Ursula wurde vom Papst Siricius empfangen, dieser schloss sich mit vielen Bischöfen der Rückreise nach Köln an. Zwei christenfeindliche römische Herren, die die Jungfrauen vergeblich für sich hatten gewinnen wollen, bewegten hinterrücks die Hunnen, Ursula und ihre Gesellschaft in Köln zu überfallen und zu töten. Das Blutbad unter den 11.000 Jungfrauen wurde bei der Ankunft der Schiffe um das Jahr 451 aufs Grausamste verwirklicht. Zuletzt blieb Ursula alleine übrig. Der Hunnenfürst begehrte sie für sich und erschoss die sich standhaft Verweigernde mit seinem Pfeil.
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Bild : Das Martyrium der Ursula, Rheinisches Bildarchiv in Köln

22. Oktober:
Cordula (Kordula)
Märtyrerin
† um 304 (?) oder um 451 (?) in Köln

Cordula, von königlicher Abkunft, gilt als eine der 11.000 Gefährtinnen der Ursula von Köln. Sie hatte sich nach der Legende beim Herannahen der Hunnen im unteren Schiffsraum verborgen und war nicht entdeckt worden, verließ aber freiwillig ihr Versteck, um sich dem Martertod der anderen nicht zu entziehen und wurde nachträglich mit einem Pfeilschuss umgebracht. Cordulas Gebeine kamen in die Johanniterkirche in Köln, 1278 wurden sie von Albertus Magnus erhoben. Nach der Säkularisation kamen sie nach Königswinter und Rimini.
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Bild: Cordula-Schrein von 1446/47 im Domschatz von Osnabrück

23. Oktober:
Johannes von Capestrano
Mönch, Wanderprediger
* 24. Juni 1386 in Capestrano in den Abruzzen
† 23. Oktober 1456 in Ilok, damals ungarisch, heute in Kroatien

Johannes war der Sohn eines – vermutlich deutschen – Barons, der als Lehensmann in den Abruzzen lebte. Der Vater starb früh, das hochbegabte Kind studierte in Perugia Jura. Als 26jähriger wurde er Richter in Perugia und heiratete eine Grafentochter. 1415 wurde er in den Wirren des italienischen Städtkrieges ins Gefängnis geworfen und erlebte dort eine Bekehrung. Er ließ seine Ehe wieder lösen und trat nach seinem Loskauf aus der Haft in den Franziskanerorden ein. Hier schloss er bald schon Freundschaft mit Bernhardin von Siena, begleitete diesen auf den Missionsreisen und widmete sich in seinem Auftrag der inneren Reform des Ordens, wobei ihm seine juristische Ausbildung zustatten kam. Nach seiner Priesterweihe 1420 wirkte auch Johannes als Volksprediger mit großem Erfolg: die Kirchen waren zu klein, Plätze überfüllt, Geleitzüge umringten ihn. Im Auftrag des Papstes führte die Predigttätigkeit Johannes mehrfach durch das geistig zerissene und religiös darnieder liegende Europa nach Deutschland, Österreich, Böhmen, Polen und in die Niederlande. Johannes predigte 40 Jahre lang täglich, die Menschen hingen an seinen Lippen. Er gründete Krankenhäuser, organisierte Sozialarbeit, war ein gefragter Beichtvater und immer wieder einflussreicher Ratgeber für verschiedene Herrscher. 1455 trat er als Kreuzzug sprediger gegen die Türken auf, seiner die fast schon geschlagenen Soldaten aufmunternden Predigt wird der Gewinn der Schlacht von Beograd 1456 und damit die Rettung des Abendlandes zugeschrieben. Im Franziskanerorden bewirkte Johannes im Sinne der Ideen von Bernhardin die Loslösung der Observanten von den Minoriten, bewahrte aber die Einheit des Ordens. Intensiv bemühte er sich um die Heiligsprechung Bernhardins, die 1450 tatsächlich erfolgte.
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Bild: Gemälde von Bartolomeo Vivarini, 1459

24. Oktober:
Antonius Maria Claret y Clará
Ordensgründer, Erzbischof von Santiago in Kuba
* 23. Dezember 1807 in Sallent bei Barcelona
† 24. Oktober 1870 in Fontfroide bei Narbonne

Antonius María Claret y Clará war als Sohn eines Webers dazu bestimmt, auch Weber zu werden. Dabei erwies er sich als so geschickt und technisch begabt, dass man ihn zum technischen Direktor einer großen Weberei gemacht hätte, aber er wollte Priester werden; 1835 wurde er zum Priester geweiht. Da es in Spanien eine Priesterschwemme gab, ging Antonius nach Rom zu den Jesuiten, die ihn als Wanderprediger nach Spanien zurück schickten. Es war die Zeit des Bürgerkrieges; trotz aller Gefahren predigte er unermüdlich und saß stundenlang, um die Beichte vieler Menschen zu hören. Er bewirkte erstaunliche Bekehrungen und besaß die Gabe, auch die geheimen Gedanken der Menschen zu verstehen; er konnte in die Zukunft blicken, Heilungen wurden ihm zugeschrieben. Außerdem veröffentlichte er viel und war der meistgelesene Autor seiner Zeit; er gründete einen katholischen Buchclub und fand so Millionen Leser. Antonius gilt ob seiner großen missionarischen Erfolge als Bekehrer Katalanies. Zur Unterstützung seiner Ziele gründete er 1849 die Bruderschaft der „Söhne des unbeflechten Herzens der Maria“, die => Claretiner. Ebenso wirkte er anschließend auf den kanarischen Inseln und dann in Kuba, wo er 1850 Erzbischof von Santiago wurde. Dieser Bischofsstuhl war zuvor über sechzig Jahre lang verwaist gewesen, entsprechend war der geistig-moralische Zustand des Bistums. In Kuba gründete er den weiblichen Zweig der Claretinerinnen, die „Lehrschwestern der reinen Maria“. Aber es gab auch Widerstand gegen sein Wirken, bei einem Attentat wurde er verletzt, dann wunderbar geheilt. Als Antonius schon befürchtete, von Madrid aus abgesetzt zu werden, wurde er 1857 überraschend als Seelenführer der spanischen Königin Isabella II. und ihrer Tochter an den königlichen Hof gerufen. Hier gewann er großen geistigen Einfluß, 1859 wurde er auch Präsident des spanischen Königsschlosses Escorial. Er rechristianisierte den verweltlichten Königshof, konnte bei Bischofsbesetzungen seinen Einfluss geltend machen, begleitete das Königspaar bei Reisen durch das Land und verband damit Predigten und Exerzitien. So wurde er der geistliche Führer seines Volkes. Auf der Anreise zum 1. Vatikanischen Konzil starb Antonius. Antonius‘ Gebeine wurden nach Vich in Spanien überführt. Er gilt als einer der größten Heiligen des modernen Spanien.
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25. Oktober:
Fronto von Périgueux
erster Bischof von Périgueux
† Anfang des 2. Jahrhunderts

Überliefert ist, wie Fronto in Périgueux die Statue des römischen Gottes Mars zerschlug, als die Senatoren der Stadt diese anbeten wollten. Zusammen mit seinem Begleiter Georg soll Fronto von Petrus nach Gallien geschickt und zum ersten Bischof von Périgueux geweiht worden sein. Auf dem Weg nach Frankreich starb demnach Georg, Fronto kehrte nach Rom zurück. Petrus gab ihm einen Stab mit den Worten: „Wenn du diesen meinen Stab auf den Körper dieses Gefährten legst, so sprich: ‚Erhebe dich in Christi Namen aufgrund des Auftrages, den du vom Apostel erhalten hast, und führe ihn aus.'“ So geschah es, gemeinsam bekehrten sie die Bürger von Périgueux. Als Fronto eines Tages nach der Epistel in seinem Stuhl eingeschlafen sei, sei ihm Christus erschienen und habe ihn veranlasst, mit ihm nach Tarascon zu gehen, um das Totenamt für die dort verstorbene Martha zu halten und diese auch mit ihm ins Grab zu legen. Als inzwischen in Périgueux die Gesänge zu Ende waren und der Diakon zur Evangelienlesung den Segen des Bischofs erwartete und ihn weckte, schickte dieser ihn fort, um Ring und Handschuhe zu holen, die er am Grabe der Martha habe liegen lassen, um auf diese Weise das Wunder seiner doppelten Anwesenheit zu bezeugen. Bruchstücke des Grabes von Fronto sind im Périgord-Museum in Périgueux ausgestellt. Das Grab bestand angeblich aus einem pyramidenförmigen Dach und vielen aus der Antike stammenden Figuren.

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Bild: Kathedrale St. Front aus dem 9. Jahrhundert in Périgueux

26. Oktober:
Mauritius
Märtyrer
† 302 (?) bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice im Wallis

Mauritius war römischer Offizier, Anführer der 22., der „thebäischen“ Legion, die in der Thebais – der Gegend um Theben – in Ägypten ausgehoben worden war und nur aus Christen bestand. Sie hatten sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Maximianus, der Mitregent von Kaiser Diokletian, jeden zehnten Mann zur Abschreckung umbringen, was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte das so lange, bis die ganze Legion ermordet war. Mit Mauritius gehörten zu den getöteten Führern Candidus, Innocentius, Exuperius, Constantinus sowie Vitalis. Ursus und Victor entkamen zunächst und wurden später in Solthurn gemartert. Die Gebeine der Märtyrer wurden schon um 380 wieder aufgefunden, über den Grabstätten entstand eine Kirche, die zum Wallfahrtsort wurde, im 6. Jahrhundert wuchs daraus Kloster St. Maurice d’Agaune. Seit dem 11. Jahrhundert befolgen die Mönche die Augustinerregel, die Äbte trugen bis 1840 die Titularwürde des Bischofs von Bethlehem, der Kirchenschatz ist der bedeutendste der Schweiz.
10-26
Bild: El Greco: Das Martyrium des Mauritius und seiner Thebäischen Legion, 1582, im Kloster des Escorial in Madrid

27. Oktober:
Frumentius von Äthiopien („Abba Salama“)
Bischof, Glaubensbote in Äthiopien
* um 300 in Tyrus, dem heutigen Sur im Libanon
† um 360 in Äthiopien

Frumentius wurde um 343 von Patriarch Athanasios in Alexandria zum Bischof geweiht. Er wirkte unter dem Namen Abba Salama zusammen mit Aedesius als Glaubensbote in Äthiopien.
10-27
Bild: orthodoxe Ikone, 20. Jahrhundert

28. Oktober:
Judas Thaddäus
Apostel, Märtyrer
† im 1. Jahrhundert in Babylon, dem heutigen Han-al-Mahawil im Irak (?)

Judas Thaddäus war der Sohn eines Jakobus (Lukasevangelium 6, 16) und einer der Jünger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Judas Thaddäus wird im Neuen Testament sonst nur einmal erwähnt im Johannesevangelium (14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare. Die Überlieferung nennt Judas Thaddäus meist zusammen mit Simon, dem Zeloten und nennt die beiden Brüder von Jakobus, dem Jüngeren, also Söhne des Alphäus und der Maria Kleophas. Der ihm immer wieder zugeschriebene „Brief des Judas“ im Neuen Testament, der letzte der sogenannten katholischen Briefe, stammt sicher nicht von ihm. Nach der Legenda Aurea wurde Judas vom Apostel Thomas nach der Himmelfahrt Christi zu König Abgar von Edessa geschickt – dem König, der ein Bild des Herrn malen lassen wollte, weil Christus ihn geheilt hatte, wobei der Maler dann aber von solchem Glanz geblendet wurde, dass er nicht weitermalen konnte, und Gott selbst das Bild vollendete.
Nach anderen Überlieferungen wirkte Judas zusammen mit Simon Zelotes in Syrien und Mesopotamien, dann in Persien, wo beide dem Feldhauptmann des Königs von Babylon, Baradach, Sieg und Frieden prophezeiten, was tatsächlich gleich am nächsten Tag Wirklichkeit wurde. Als Götter in Menschengestalt zu König Xerxes geführt, tauften sie ihn, den ganzen Hofstaat und viele Tausende im Land. Wiederholt zum Vernichten der feindlichen Gewalten aufgefordert, wiederholten sie ihr ständiges Wort: „Nicht zu töten, sondern lebendig zu machen sind wir gekommen.“ Nach zahlreichen Wundertaten, mit denen sie die Machtlosigkeit der Zauberer bewiesen und die Abgötter stürzten, organisierten die Zauberer im Lande einen Aufstand der Priester, die beide Apostel erstachen, nach anderen Legenden enthaupteten oder Judas mit einer Keule, Simon mit einer Säge zu Tode martern lassen. Ein gewaltiges Unwetter erschlug daraufhin Priester und Zauberer. Der König ließ die Leichen der beiden Heiligen suchen, bestatten und eine große Kirche darüber bauen.
10-28
Bild: Werkstatt von Simone Martini, wohl um 1320, National Gallery of Art in Washington

29. Oktober:
Beda „Venerabilis“
Mönch, Kirchenlehrer
* um 672 (oder 673) in Monkton bei Wearmouth
† 26. Mai 735 im Kloster Jarrow in Sunderland

Beda wurde mit sieben Jahren dem Abt des Benediktiner-Klosters in Wearmouth, Benedikt Biskop, zur Erziehung anvertraut. 691 wechselte er in das neugegründeten Kloster Jarrow bei Sunderland, das er wohl nie mehr verlassen hat; er wurde Diakon und 703 Priester. Er unterrichtete an der Klosterschule Grammatik, Poetik, Orthografie und Geschichtswissenschaft, die in ihren Methoden heutigen Maßstäben genügen kann. Bedas Werk „Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum“, „Kirchengeschichte des englischen Volkes“, das die Geschichte Englands von der römischen Eroberung bis 731, dem Jahr der Vollendung des Werkes, beschreibt, machte ihn berühmt. Das zentrale Thema seiner Kirchengeschichte ist die Kirche als Kraft, die inmitten von Gewalt und Barbarei eine spirituelle, autoritative und kulturelle Einheit bildet. Das Werk enthält eine Vielzahl sorgfältig zusammen getragener Informationen. Seine geistige und künstlerische Qualität setzten für das europäische Mittelalter einen neuen Standard der Geschichtsschreibung. Die Kenntnis Englands aus der Zeit vor dem 8. Jahrhundert beruht im Wesentlichen auf Bedas Werk. Er führte in die Geschichtsschreibung die Datierung „nach Christi Geburt“ ein, gemäß der Zeitrechnung des == Dionysius Exiguus. Ein Schwerpunkt der Arbeit von Beda war auch die Erforschung und Auslegung der Heiligen Schrift. Seine Schriftkommentare machten ihn in Europa berühmt. Beda schrieb etwa 40 Werke, darunter Kommentare zu Büchern der Bibel, Lebensbeschreibungen von Heiligen und den Äbten seines Klosters, sowie Bücher zur Liturgie, Rhetorik und zu Kirchenfesten. Auf dem Sterbebett vollendete er eine Übersetzung des Johannesevangeliums. Die Breite seines gelehrten Wissens gibt einen Eindruck von der umfangreichen Bibliothek, die ihm zur Verfügung stand, und von dem kulturellen Niveau, das in England zu jener Zeit erreicht wurde. Beda war der erste wissenschaftliche Theologe des Mittelalters und wurde zu einem der bekanntesten Lehrer der westliche Kirche. Als Beda starb, verteilte er seinen gesamten persönlichen Besitz unter seinen Mitbrüdern: einige Pfefferkörner, ein paar Weihrauchkörner, ein paar Taschentücher. Er wurde in Jarrow begraben. Die Legende erzählt, warum er die Bezeichnung „venerabilis“, „ehrwürdig“ bekommen hat: als er, im hohen Alter erblindet, geführt werden musste um zu predigen, sagte ihm ein Begleiter, der ihn durch ein steiniges Tal führte, hier warte ein andächtiges Volk schweigend auf seine Predigt. Als Beda zum Schluß „in Ewigkeit“ zu sagen anhob, ertönte mit lauter Stimme von den Steinen: „Amen, ehrwürdiger Vater“. Auch von Engeln habe man nach seiner Predigt die Worte gehört: „Du hast wohl gesprochen, ehrwürdiger Vater“. Als ein Kleriker nach seinem Tode die Inschrift des Grabsteins meißeln wollte, den Vers aber nicht vollenden konnte, habe er nach vielem Nachdenken und Gebet eines Morgens die von Engelshand gemeißelte fertige Inschrift vorgefunden: „Haec sunt in fossa / Bedae venerabilis ossa“, „hier sind im Grabe / des Beda Venerabilis‘ Gebeine“.
10-29
Bild: Abbildung in der Handschrift der von == Cuthbert verfassten Biographie, aus dem 12. Jahrhundert

30. Oktober:
Thöger (Dietger, Theodegar) von Thüringen
Priester, Glaubensbote in Norwegen und Dänemark
* um 1000 in Thüringen
† um 1065 in Vestervig in Dänemark

Thöger stammte aus adligem Hause, studierte Theologie in England, ging als Missionar nach Norwegen, wurde dort Kaplan von König Olaf und wandte sich 1030 zur erfolgreichen Missionsarbeit nach Dänemark. Am 30. Oktober 1117 wurden Thögers Gebeine in die Kirche von Vestervig übertragen.

31. Oktober:
Alfons (Alonso) Rodriguez
Laienmönch, Mystiker
* 25. Juli 1532 in Segovia in Kastilien
† 31. Oktober 1617 in Palma de Mallorca

Als Sohn eines veramten Wollhändlers aufgewachsen, starben schon in jungen Jahren seine Frau und seine Kinder. Nun schloss sich Alonso mit 38 Jahren als Laienbruder den Jesuiten in Valencia an. Da er ohne Bildung war, wurde er nach Mallorca ins neue Jesuitenkolleg von Palma geschickt, wo er 46 Jahre lang den Dienst als Pförtner versah. Dabei wurde er vielen Jesuiten zum Ratgeber, darunter war Petrus Claver, den er für die Missionsarbeit in Südamerika begeisterte. Alonso hinterließ zahlreiche mystische Schriften, darunter eine bedeutsame über die unbefleckte Empfängnis der Maria; bekannt wurden v.a. seine „Memorias“, „Erinnerungen“. Alonsos Gebeine liegen in Mallorca.
10-31
Bild: Francisco de Zurbarán (1598 – 1664): Vision von Alonso Rodriguez, Museo de la Academia de San Fernando, Madrid

Quellenhinweis: Ökumenisches Heiligenlexikon – www.heiligenlexikon.de
Eine Bereicherung für jeden Tag – Das Heiligenlexikon