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Hautarzt Dr. Kadgien gibt Rat

Praktische Qualitätsarbeit in Krankenhäusern (Dr. Weiss)

Terror und Schrecken

 

Der Hautarzt

© 2002 Dr. Kadgien
Nachfolgende Ausführungen dürfen nicht ohne die Erlaubnis des Verfassers in irgendeiner Form verlinkt, kopiert und verbreitet werden.

Dr. Marcus R. Kadgien
Facharzt für
Haut- und Geschlechtskrankheiten
Hof 29 – A-6951 Lingenau
Telefon: 0043/5513/30472-0
Mobil: 0043/664/3650525
Telefax: 0043/5513/30472-40

Dr. Kadgien ist auch auf folgender Homepage erreichbar http://www.hautaerzte-lingenau.at

Ich danke Dr. Kadgien an dieser Stelle ganz besonders, dass er sich bereit erklärt hat, hier auf unserer Homepage uns fachärztlich zu beraten.
Er steht auch gern zu Verfügung, Fragen via e-mail zu beantworten. Bitte Mails an sonja.maly@vol.at richten.
Ich werde diese dann gesammelt und, wenn gewünscht, anonym an Herrn Dr. Kadgien weiterreichen.

 

Akne vulgaris
(Hauterkrankung während der Pubertät – durch Talgstau verursacht)

Akupunktur
(aus der traditionellen chinesischen Medizin stammendes Heilverfahren, bei dem Nadeln an bestimmten Punkten an der Körperoberfläche eingestochen werden)

CO² Lasertherapie
(Mit diesem Lasersystem, sind außerordentlich schonende Eingriffe an der Haut möglich und zwar sowohl in der Tumorchirurgie als auch in der kosmetischen Dermatologie)

Hautallergien
(Wie wird die Diagnose eines Kontaktekzems gestellt? Was kann therapeutisch unternommen werden?
all diese Fragen beantwortet Dr. Kadgien, wenn Sie sich in die Unterpunkte einklicken.)

Dysplatische Naevuszellnaevi
(Weltweit ist in den letzten 20 Jahren eine starke Zunahme an Melanomen, dem schwarzen Hautkrebs, zu verzeichnen.)

Fruchtsäurepeeling
(Das Chemical Peelinig mit Fruchtsäure (Glykolsäure) stellt eine innovative Schälbehandlung zur Besserung von ausgeprägten Aknezuständen, von sonnenbedingten Hautschäden und von oberflächlichen Falten dar.)

Herpes simplex – Herpes genitalis
(Die Herpes simplex- und Herpes genitalis-Infektion ist eine durch das Herpes simplex-Virus hervorgerufene, sehr weit verbreitete Infektionskrankheit.)

Herpes zoster – Gürtelrose
(Wie entsteht Gürtelrose, wie verläuft Gürtelrose, welche therapeutische Maßnahmen können gesetzt werden und viele weiter Fragen werden hier beantwortet.)

Heuschnupfen
(Welche Symptome treten auf, wie kann geholfen werden? Diese und viele andere Fragen beantwortet Dr. Kadgien)

Hyperhidrosis
(Wie kommt es zu übermäßigem Schwitzen, was kann dagegen unternommen werden, Dr. Kadgien weiß Rat)

Kollagen, Hyaluronsäureimplantation
(Erschlaffte Haut – Fragen und Antworten.)

Laserepilation
(Haare auf sanfte Art entfernen)

Ndyag – Laser
(Es können mit ihm erweiterte Äderchen, rote Flecken, Blutschwämme, Feuermale, Spinnenmale, helle Besenreiser aber auch oberflächliche braune Flecken in der Haut (z.B. Altersflecken) entfernt werden.)

Psoriasis vulgaris
(Schuppenflechte – wie erkennt man sie? Ernährungsmedizinische Hinweise und vieles mehr erklärt uns hier Dr. Kadgien)

Sonnenlicht und Lichtschäden
(Was ist beim Sonnenbaden zu beachten, die 4H-Regel – Solarien – Lichtschäden all dies beantwortet Dr. Kadgien)

Varikosis
(Krampfadern – Was sind Krampfadern, Ursachen der Krampfaderbildung, Folgen und Behandlung alles wird beantwortet)

 

Akne vulgaris

Die Akne vulgaris ist eine typische Erkrankung des Pubertätsalters (Pubertätsakne) und beginnt meist im Alter von 9-13 Jahren.
Auf der Grundlage einer erblichen Veranlagung wandeln sich die Talgdrüsen durch die in der Pubertät vermehrt ausgeschütteten Geschlechtshormone, insbesondere durch das männliche Hormon Testosteron um. Die Talgdrüsen produzieren infolge mehr Talg, gleichzeitig nimmt Hormon gesteuert aber auch die Verhornung im Talgdrüsenausführungsgang zu, was zu einer Verengung oder zu einem Verschluss des Talgdrüsenausführungsganges führt. Der vermehrt produzierte Talg kann deshalb nur noch schlecht oder gar nicht mehr an die Hautoberfläche gelangen. Durch diese „Verstopfung“ bilden sich kleine Talgsäckchen (Mitesser, Komedonen) und manchmal auch größere Talgzysten.
Durch die vermehrte Talgproduktion kommt es weiterhin zu einer Besiedelung der Talgdrüsen mit bestimmten Bakterien (Propionibakterien), was dann zu entzündlichen Umwandlungen der Talgdrüsen und ihrer Ausführungsgänge (“Poren”, Follikel) führt. Hierbei werden von den Propionibakterien aus dem Talg aggressive “freie Fettsäuren” abgespalten, die dann zur Entzündung führen.
Die Akne ist ausgesprochen häufig. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen, Jungen aber wegen des höheren Anteils an Testosteron meist schwerer. Die gewöhnliche Akne klingt meist bis zum 25. Lebensjahr ab. Akne kann allerdings auch in späteren Jahren auftreten oder bis in die 30er Jahre fortbestehen (Spätakne, Akne tarda). Hier ist immer eine Abklärung der Hormonsituation angezeigt. Abgesehen von der genetischen Disposition und den hormonellen Veränderungen gibt es einige zusätzliche Faktoren, die die Akne begünstigen:
falsche, zu fettige Pflege (vor allem bei Spätakne)
beruflicher Kontakt mit Fett (Vaseline, Öl, Teer, Brom, Jod)
Medikamente, wie Kortison, B-Vitamine, INH
bei manchen Menschen durch Sonnenlicht provozierbar
Fehlbesiedelung des Magen-Darm-Traktes (z.B. Candida-Pilze)
Ernährung nur sehr bedingt, hier ist eine individuelle Beratung notwendig
Die Akne ist, auch in ihrer eitrig-pustulösen Form, nicht ansteckend!

Wie wird die Akne behandelt?
Frei verkäufliche Akneprodukte bringen oft keinen befriedigenden Effekt. Deshalb muss die Akne mit speziell für die jeweilige Akneform und Akneausprägung abgestimmten rezeptpflichtigen Medikamenten (äußerlich und innerlich) unter stetiger hautärztlicher Kontrolle behandelt werden. Der Hautarzt kennt genaue Anwendungsvorschriften, Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen der Präparate. Er kann die verständlicherweise meist sehr beunruhigten jungen Patienten beraten und motivieren, die hochwirksame Therapie konsequent und richtig durchzuführen. Denn mit das häufigste Problem bei der Aknetherapie ist die falsch angewendete und nicht ausreichend lange durchgeführte Therapie, was durch den ausbleibenden Therapieerfolg und die entstehende Frustration rasch zu dem Urteil führt, alle Aknemedikamente seien wirkungslos.

Die o. g. Mechanismen der Akneentstehung können gezielt beeinflusst werden:

Der vermehrte Talgfluss wird durch häufige Reinigung mit entfettenden Substanzen (Syndets, alkoholische Lösungen) und durch Talg hemmende Medikamente (verschiedene Vitamin-A-Säure-Präparate, spezielle (!!!) Pille) behandelt.
Die Verhornung der Follikelöffnungen (Poren) wird mit Schleifpartikeln oder medikamentös (verschiedene Vitamin-A-Säure-Präparate, Benzoylperoxid) beeinflusst.
Die bakterielle Besiedelung wird durch lokale und orale Verabreichung von Antibiotika und lokal durch Benzoylperoxid oder Azelainsäure behandelt. Antibiotika können in niedriger Dosis über einen langen Zeitraum erforderlich sein.
Die Entzündung wird insbesondere mit einem speziellen Vitamin-A-Säure-Präparat oder mit antientzündlich wirkenden Antibiotika bekämpft.
In sehr schweren Fällen mit Narbengefahr wird Vitamin-A-Säure innerlich gegeben. Die Behandlung ist hochwirksam, erfordert aber große Erfahrung und eine genaue Einhaltung der Behandlungsanweisungen. Frauen dürfen während der Behandlung nicht schwanger werden.

Die Aknetoilette:
Unterstützend zu den obigen Behandlungsmaßnahmen bieten wir die sog. Aknetoilette als hochwirksame Therapieform an. Hier wird die Haut nach Hautreinigung und Desinfektion speziell ausgereinigt, anschließend werden eine entstauende Gesichtsmassage durchgeführt und beruhigende Masken und Packungen aufgelegt. Die Behandlung wird alle 4 Wochen wiederholt. Die physikalische Aknetherapie (Aknetoilette) umfasst folgende Leistungen:
Hautreinigung
Desinfektion
Eröffnung/Ausreinigung von Akneknoten, Komedonen und Zysten
Kräutermasken speziell für die Aknehaut
Bindegewebsmassage
Ggf. Abdecken

Die Fruchtsäurebehandlung
Nach gründlicher Reinigung der Haut werden hochkonzentrierte Fruchtsäuren auf die Haut aufgetragen, nach einer gewissen Einwirkungszeit neutralisiert und mit feuchten Wickeln nachbehandelt. Die Behandlung erstreckt sich über 4-5 Wochen mit einer wöchentlichen Behandlungssitzung und einer mehrwöchigen Vor- und Nachbehandlung zu Hause. Die Behandlung ist bei mittelgradiger Akne, bei Pigmentflecken und bei Alters- und Lichtschäden (Fältchen) der Haut sehr effektiv.
Bei Aknenarben setzen wir Laserbehandlungen, chirurgische Narbenkorrekturen, Vereisungs- und Schleifbehandlungen ein. Besser ist natürlich, durch rechtzeitige Behandlung eine Narbenbildung zu verhindern, wie es mit einer modernen Aknetherapie möglich ist.
Bei Fehlbesiedelung des Magen-Darm-Traktes wird dieser mitsaniert.

Was können Sie zusätzlich tun?
Ernähren Sie sich ausgewogen. Nahrungsmittel, die im Einzelfall zu einer Verschlechterung führen, sind wegzulassen.
Vitamin-B-haltige Vitaminpräparate sind ungünstig, ebenso jod- oder bromhaltige Nahrungsmittel.
Aufenthalt an der frischen Luft und mäßige Sonnenexposition (Ausnahmen) sind günstig.
Drücken oder kratzen Sie Ihre “Pickel” nicht selbst!!! Überlassen Sie die Ausreinigung in medizinisch-hautärztlicher Aknekosmetik geschulten Fachkräften, Sie können sonst leicht bleibende Narben hervorrufen!
Kosmetische Präparate können eine Akne stark verschlimmern. Bitte verwenden Sie nur für Aknehaut geeignete Kosmetika (“nicht komedogen”) und nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Kosmetikerin.
Bei schweren, entstellenden Akneformen sprechen wir mit Ihnen über begleitende entspannende Verfahren, um zu einem schnelleren Erfolg zu gelangen. Die o. g. Mechanismen der Akneentstehung können gezielt beeinflusst werden
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Akupunktur

Die Akupunktur ist eine Reflextherapie, d.h. durch äußere Einflüsse werden körpereigene Vorgänge in Gang gesetzt. Dies geschieht über Mechanismen, die wissenschaftlich bewiesen sind:

  • Aktivierung spezieller Nervenreflexe
  • Aktivierung immunologischer Prozesse
  • Aktivierung des Gefäßsystems
  • Muskelentspannung
  • Beeinflussung des endokrinen, d.h. des hormonellen Systems

Bei all diesen Wirkungsweisen geschieht die Aktivierung der genannten Mechanismen durch direkte Stimulation von Hautpunkten (am Ohr), denen innere Organe und Körperregionen zugeordnet sind.

Welche Hauterkrankungen kann man mit Akupunktur behandeln?

  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • Juckreiz
  • Neurodermitis
  • Akne
  • allergische Erkrankungen (Heuschnupfen, allergisches Asthma)
  • Kontaktekzeme
  • Ekzeme anderen Ursprungs

Es können weiterhin Schmerzsyndrome (Kopfschmerzen, Migräne, Knochen- und Gelenkschmerzen), Angstsyndrome (Prüfungsangst, Flugangst), gynäkologische Erkrankungen wie beispielsweise Wechseljahresbeschwerden (postmenopausales Syndrom) sowie Magen-Darm-Erkrankungen behandelt werden. Auch bei Raucher-Entwöhnung und Übergewicht ist die Akupunktur hilfreich.
Auch eine Behandlung vor zahnärztlichen Eingriffen zum Schmerz- und Angstabbau ist sehr gut möglich.

Die Akupunkturbehandlung wird im Liegen durchgeführt und dauert ca. 20 bis 30 Minuten. Sie beinhaltet die Stimulation spezieller Ohr-Hautpunkte mit Akupunkturnadeln. Die Anzahl der Sitzungen richtet sich danach, ob es sich um ein chronisches oder akutes Krankheitsbild handelt.
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CO²-Lasertherapie

Mit dem Multipulse 30W CO2-Laser, einem supergepulsten CO2-Lasersystem, sind außerordentlich schonende Eingriffe an der Haut möglich und zwar sowohl in der Tumorchirurgie als auch in der kosmetischen Dermatologie. Je nach Fragestellung kann der Laser folgendermaßen eingesetzt werden:

1. Laserchirugie:
Mit dieser Funktion lassen sich alle erhabenen und flachen Veränderungen in und auf der Haut schonend abtragen bzw. verdampfen. Narbenbildung tritt nicht oder – bei tiefer reichenden Veränderungen – nur in minimalem Ausmaß auf. Gut geeignet ist diese Funktion z.B. für warzenartige Muttermale (dermale Naevi), vor allem im Gesicht, für Basalzell- papillome („Alterswarzen“), für Warzen und viele andere Hauttumoren. Bei fraglichen Veränderungen muss jedoch immer zuvor eine Bösartigkeit durch feingewebliche Untersuchung ausgeschlossen werden. Eine Lasertherapie ohne vorherige Untersuchung ist in diesem Falle unseriös.

2.“Laserskalpell“:
Mit dieser Funktion lässt sich berührungsfrei, blutungsfrei und sehr schonend wie mit einem Skalpell schneiden. Aufgrund der nur minimalen thermischen Effekte sind die Schnittränder sehr scharf und glatt, wodurch eine gute Wundheilung bei minimaler Narbenbildung ermöglicht wird.

3. „Skin-Resurfacing“:
Diese Anwendungsmodalität ermöglicht eine berührungslose flächige Abtragung der obersten Hautschicht auf den 1000stel Millimeter genau. Es können damit insbesondere Falten beseitigt oder gebessert werden, wie Falten um den Mund und Falten um die Augen („Krähenfüße“). Es können einzelne Gesichtspartien (kosmetische Einheiten) oder das gesamte Gesicht zur Beseitigung oder Verminderung mimischer Falten gelasert werden. Weiterhin können auch Hautkrebsvorstufen (aktinische Keratosen), Altersflecken und flache Narben entfernt werden.

Wie verläuft die Behandlung?
Die Lasertherapie ist schmerzhaft und wird deshalb in Lokalanästhesie durchgeführt. Nach der Lasertherapie bilden sich – je nach Größe des Eingriffs – kleine Krüstchen oder nässende Flächen, die einer speziellen Wundbehandlung bedürfen. Danach ist das gelaserte Areal (insbesondere bei größeren Flächen) für 2-6 Wochen, gelegentlich auch länger, gerötet. Bei Entfernung kleiner Veränderungen (warzige Muttermale) z.B. im Gesicht fällt dies jedoch kaum auf. Die Rötung blassßt wieder ab und der endgültige Effekt ist erreicht.

Folgendes müssen Sie beachten:

  • 3 Tage darf kein Wasser an die Laserareale gelangen
  • Krüstchen nicht abkratzen!
  • mindestens 4 Wochen die Laserareale vor direktem Sonnenlicht und Solarium schützen (Make-Up, Sun-Blocker)
  • Nachkorrekturen sind problemlos möglich

Über das Laser-Skin-Resurfacing erhalten Sie ein gesondertes Merkblatt.
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Hautallergien

Die häufigste Variante einer allergischen Manifestation an der Haut ist das so genannte Kontaktekzem. Dieses wird hervorgerufen durch den Kontakt der Haut mit den verschiedensten Allergenen (dies sind die Allergie auslösenden Substanzen). Vor Auftreten der Hauterscheinungen muss jedoch eine Sensibilisierungsphase stattgefunden haben. Dies bedeutet, dass ein einmaliger Kontakt zu einer Substanz nicht bereits eine Allergie hervorrufen kann, es muss zumindest ein weiterer Kontakt vorausgegangen sein.

Sehr häufig kommt das Kontaktekzem im Bereich der Hände vor. Bei einer ausgeprägten Sensibilisierung kann es auch zu einer so genannten Streuung des Kontaktekzems kommen. Hierbei kann am gesamten restlichen Körper eine Ekzemreaktion auftreten, ohne dass an diesen Stellen ein direkter Kontakt zum Allergen stattgefunden hat.

Die Fähigkeit, ein Kontaktekzem auszubilden, ist bei Patienten mit einer atopischen Diathese (Neigung zu Neurodermitis, Heuschnupfen, allergischem Asthma) und bei Patienten mit einer chronisch irritierten Haut erhöht. Da bei diesen Krankheitsbildern eine gestörte Barrierefunktion (Schutzfunktion der Haut vor äußeren Einflüssen) des Hautorgans vorliegt, können die Allergene leichter eindringen und eine Sensibilisierung hervorrufen.

Wie wird die Diagnose eines Kontaktekzems gestellt?
Zunächst ist eine genaue Anamnese zu erheben, hierbei ist es wichtig zu erfragen, zu welchen Substanzen wann und wie oft Kontakt bestand, welchen Beruf Sie ausüben, ob eine Ekzemveranlagung besteht, ob andere Hauterkrankungen bei Ihnen selbst oder in der Familie bekannt sind oder ob gar bereits eine Sensibilisierung besteht und hierüber ein Allergiepass ausgestellt wurde.
Differentialdiagnostisch sind neben dem Kontaktekzem weitere Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder eine Hautpilzerkrankung stets auszuschließen. Nach einem ausführlichen Vorgespräch über die möglichen Ursachen und Hautfunktionsdiagnostik folgen dann die allergologischen Testungen (sog. Epikutantestungen). Hierbei werden standardisierte Substanzreihen in spezieller Weise auf Ihren Rücken aufgeklebt und die Reaktion nach 48 und 72 Stunden abgelesen. Gegebenenfalls werden eigene Substanzen mitgetestet.

Was kann therapeutisch unternommen werden?
Die effektivste Therapie zur Behandlung einer Allergie ist das Meiden des auslösenden Allergens. In den meisten Fällen ist dies bei Allergien, die durch Hautkontakt mit einer speziellen Substanz ausgelöst werden, möglich. Des weiteren sind begünstigende Faktoren für die Kontaktekzemauslösung, wie z. B. eine trockene und rissige Haut, zu beseitigen. Dies bedeutet eine konsequente Hautpflege mit rückfettenden Salben und Cremes sowie die Verwendung von Hautschutzprodukten und gegebenenfalls das Tragen von speziellen Handschuhen.
Bei der Akutbehandlung von Kontaktekzemen kann es notwendig sein, kortisonhaltige Salben und Cremes anzuwenden. Dies jedoch nur kurzfristig, da bei Meiden des Allergens von einer raschen Abheilung auszugehen ist. Im Anschluss daran ist eine pflegende Hauttherapie mit natürlichen Salbengrundlagen konsequent weiterzuführen. In manchen Fällen ist zusätzlich eine spezielle UV-Bestrahlung notwendig.
Nach erfolgter Diagnostik wird dem Patienten ein Allergiepass ausgehändigt. Darin sind Informationen enthalten, in welchen Substanzen die betreffenden Allergene vorkommen. Dieser Allergiepass ist stets mit sich zu führen und es ist zu kontrollieren, ob neu erworbene Substanzen oder Gegenstände gegebenenfalls die entsprechenden Allergene enthalten und damit zu meiden sind.
Geben Sie diesen Allergiepass jedem Arzt, der Ihnen Medikamente verschreibt. Er kann dann prüfen, ob eine Allergie gegen die zu verschreibenden Stoffe vorliegt und ob er auf andere Präparate ausweichen muss, um Sie keinem Risiko auszusetzen.
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Dysplastische Naevuszellnaevi

Weltweit ist in den letzten 20 Jahren eine starke Zunahme an Melanomen, dem schwarzen Hautkrebs, zu verzeichnen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese Zunahme in erster Linie mit der vermehrten Sonnenexposition der Menschen zusammenhängt.

Auf der Haut jedes Menschen finden sich wenige oder viele, helle oder dunkle, erhabene oder flache Flecken oder Knötchen. Bestehen diese nur aus dem Pigment Melanin, nennt man sie, wenn sie klein und dunkel sind Lentigines. Die meisten dieser pigmentierten Gebilde sind allerdings sogenannte Naevuszellnaevi (Muttermale), die aus veränderten Melanozyten (Pigmentzellen) bestehen. Je nach Lage dieser „Naevuszellen“ erscheinen die Muttermale heller oder dunkler, bei sehr tiefer Lage auch bläulich (so genannte blaue Muttermale). Bis zum 21. Lebensjahr, wenn das Längen- und Breitenwachstum des Körpers abgeschlossen ist, können neue Muttermale entstehen und bestehende Muttermale mitwachsen. Nach diesem Alter auftretende oder sich verändernde Muttermale sind stets mit Vorsicht zu betrachten.

Zahlreiche Untersuchungen sprechen dafür, dass manche Muttermale, die als „dysplastische Naevi“ bezeichnet werden, eine statistisch erhöhte Wahrscheinlichkeit zeigen, sich zu Melanomen (schwarzer Hautkrebs) umzuwandeln. Diese dysplastischen Muttermale können einzeln spontan auftreten, kommen aber öfter bei Familien gehäuft vor. Diese Menschen haben häufig mehrere hundert Muttermale, wovon viele „dysplastisch“ sind. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit für ein Melanom bei diesen Menschen ist gegenüber der Durchschnittsbevölkerung wesentlich erhöht.

 

Woran ist ein dysplastisches Muttermal zu erkennen?

Hier hilft die A B C D E-Regel:

ð A steht für Asymmetrie. Gutartige Muttermale sind in etwa rund und symmetrisch. Irreguläre Konfigurationen sind verdächtig.

ð B steht für Begrenzung. Diese sollte scharf sein. Unscharfe Randausläufer in einem sonst scharf begrenzten Muttermal sind verdächtig.

ð C steht für engl. Color ( Farbe). Gutartige Muttermale enthalten in der Regel nur eine einheitliche Färbung. Mehrere Brauntöne, dunkelbraune oder schwärzliche Anteile in helleren Muttermalen und insbesondere weißliche oder rötliche Anteile sind verdächtig.

ð D steht für Durchmesser: Verdächtig sind Muttermale, die größer als 6 mm sind. Bösartige Umwandlungen kommen allerdings auch schon bei kleineren Muttermalen vor.

ð E steht für Erhabenheit. Tastbare, erhabene Teile in sonst glatten Muttermalen sind, insbesondere wenn diese Anteile schwärzlich oder rötlich sind oder gar nässen oder bluten, verdächtig.

Dysplastische Muttermale und Melanome sind, wenn sie nicht an versteckten Stellen, wie am behaarten Kopf, unter Nägeln, im Genital- oder Analbereich auftreten, der direkten Beobachtung leicht zugängig und damit mehr als jeder andere Tumor sehr früh zu diagnostizieren. Auf die frühe Diagnose kommt es aber bei diesem Tumor ganz besonders an, da er in Frühfällen eine Heilungsrate nach operativer Entfernung von nahezu 100% aufweist, die Prognose in späteren Stadien aber sehr schlecht ist.

Wenn bei einem Menschen ein oder mehrere Muttermale mit obigen Auffälligkeiten zu finden sind, dieser Mensch eventuell noch sehr zahlreiche Muttermale (über 100) hat, sind regelmäßige Kontrollen aller Muttermale erforderlich. Besteht der Verdacht auf das Vorliegen von einem oder mehreren dysplastischen Muttermalen, werden diese mittels computergestützter und digitaler Videoauflichtmikroskopie genau untersucht, wobei bei 70-facher Vergrößerung die Pigmentnetzstruktur und die Muttermalzellen genau zu erkennen und zu beurteilen sind. Mit diesem Untersuchungsverfahren lässt sich mit 95prozentiger Sicherheit beurteilen, ob ein Muttermal gut- oder bösartig ist. Verdächtige Muttermale werden in der Regel in lokaler Betäubung operativ entfernt und stets in ein pathos-histologisches Labor zur mikroskopischen Gewebeuntersuchung geschickt. Bestätigt sich der Verdacht des Vorliegens einer oder mehrerer dysplastischer Muttermale in der histologischen Untersuchung, sind folgende Vorsichtmaßnahmen angezeigt:

1. Eventuell sind weitere verdächtige Muttermale zu entfernen.

2. Meiden Sie, soweit möglich, intensive Besonnungen. Insbesondere Sonnenbrände müssen vermieden werden (besonders bis zum 20. Lebensjahr, da diese direkt für die Melanomentstehung verantwortlich sind).

3. Jährliche Kontrollen sämtlicher Muttermale durch den Hautarzt sind notwendig. Zwischen den Untersuchungen sollten Sie einmal monatlich Ihre Muttermale selbst anschauen und nach der ABCDE-Regel überprüfen. In seltenen Ausnahmefällen können atypische (dysplastische) Muttermale auch zunächst beobachtet werden, dann jedoch in kurzen Abständen.
Sollte sich ein Muttermal zwischen den Untersuchungen verändern, lassen Sie dieses sofort hautärztlich untersuchen.

4. Alle Familienangehörigen müssen auf atypische Muttermale untersucht werden, da diese vererbbar sind.

5. Während der Schwangerschaft werden Muttermale häufig dunkler. Auch hier ist eine besonders sorgfältige und häufige Kontrolle erforderlich.
Sämtliche Operationen werden in unserer Ordination in einem komplett ausgestatteten OP durchgeführt. Je nach Operationstechnik kann man auch bald nach einem Eingriff wieder duschen oder Sport treiben. Sonnenschutz ist zum einen wegen der Wundheilung, jedoch auch wegen des erhöhten Hautkrebsrisikos bei bereits vorhandenen dysplastischen Muttermalen einzuhalten.

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Fruchtsäurepeeling

Das Chemical Peelinig mit Fruchtsäure (Glykolsäure) stellt eine innovative Schälbehandlung zur Besserung von ausgeprägten Aknezuständen, von sonnenbedingten Hautschäden und von oberflächlichen Falten dar.

Verwendet wird hierfür die aus Zuckerrohr gewonnene Glykolsäure, die aufgrund ihrer geringen Molekülgröße tief in die oberen Hautschichten eindringt und dort ihre positiven Effekte entfaltet. Sie führt zu einer Auflösung der Kittsubstanz zwischen den Hornzellen, wodurch diese sich ablösen. In höherer Konzentration bewirkt Glykolsäure eine Lösung der Zellen der Oberhaut (Epidermis), wodurch diese abgestoßen werden und die Neubildung von Oberhautzellen (Keratinozyten) angeregt wird. Bei der Anwendung der hochkonzentrierten Glykolsäure kommt es darüber hinaus auch zu Veränderungen in der Lederhaut (Corium) mit vermehrter Neubildung der kollagenen Fasern, von Elastin (Grundstoff der elastischen Fasern) und von Grundsubstanz (gallertartiges Material, das zwischen den Bindegewebsfasern liegt). Insgesamt kommt es zu einer Neustrukturierung und Verdickung der Haut mit erhöhtem Wassergehalt, was die Haut glättet und ihr ein jugendlicheres Aussehen verleiht. Sonnenbedingte Zellschäden, sonnen- und altersbedingte Pigmentierungen und feine Fältchen werden vermindert oder beseitigt, wenn sie nicht zu tief reichen. Die Schälwirkung der Glykolsäure übertrifft die der Vitamin A-Säure, die Reizwirkung ist aber deutlich geringer.

Da es sich bei dem Glykolsäure-Peeling um eine hochwirksame Behandlung mit starken Präparaten handelt, muss die Haut schrittweise an die Fruchtsäure gewöhnt werden. Art und Dauer der Vorbehandlung werden entsprechend Ihrem Hauttyp festgelegt. Die Behandlung selbst besteht aus einer mehrfachen Reinigung und Entfettung der Haut und dem anschließendem Aufbringen der Fruchtsäure. Nach der vorgeschriebenen Einwirkungszeit wird die Fruchtsäure mehrfach abgewaschen und neutralisiert. Während und nach der Behandlung kann ein leichtes Brennen auf der Haut auftreten, das nach Abwaschen und Neutralisieren der Säure und Auflegen von feuchten Kompressen verschwindet. Während der ersten drei Stunden nach der Behandlung dürfen Sie nichts auf die behandelte Haut bringen, kein Wasser und keine stark fettenden, dekorativen Kosmetika. Frühestens nach drei Stunden dürfen Sie eine leichte Feuchtigkeitscreme auftragen. Nach ca. 3 Tagen kommt es zu einer kaum sichtbaren Schälreaktion (Peeling) der Haut, die wenige Tage andauert. Es sind mehrere Behandlungen im Abstand von 3-4 Wochen notwendig. Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung ist Ihr Verhalten während und nach der Therapie. So dürfen Sie während der Kur keine Vitamin A Säurehaltigen Präparate verwenden. Meiden Sie während und bis vier Wochen nach der Kur möglichst das Sonnenlicht und Solarium oder verwenden Sie einen Sun-Blocker.
Trotz sorgfältigster Behandlungstechniken kann es zu seltenen Komplikationen wie Infektion, Unverträglichkeitsreaktionen, Pigmentstörungen und Narbenbildung (bei entsprechender Veranlagung) kommen. Vorübergehend können Hautrötungen, Schuppenbildung und ausnahmsweise Blasenbildung auftreten. Insgesamt ist das Fruchtsäurepeeling ein sehr sicheres und effektives Verfahren, welches weltweit tausendfach zur Anwendung kommt.

Nach der Kur empfiehlt sich zur Erhaltung des Effektes eine Anwendung von Pflegeprodukten mit niedrig konzentrierter Glykolsäure (8-15 %). Die geeigneten Produkte und deren Anwendung werden Ihnen genau erklärt. Die Kur kann frühestens nach drei Monaten wiederholt werden.

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Herpes simplex/Herpes genitalis

Die Herpes simplex- und Herpes genitalis-Infektion ist eine durch das Herpes simplex-Virus hervorgerufene, sehr weit verbreitete Infektionskrankheit. Ca. 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung hat Herpes simplex-Antikörper, d.h. hatte mit dem Virus bereits Kontakt. Die Übertragung erfolgt durch eine sogenannte Schmierinfektion (Kuss, Geschlechtsverkehr oder Geburtsvorgang). Das Virus wird über kleine Verletzungen von Haut und Schleimhaut aufgenommen.

Man muss jeweils zwischen der Ersterkrankung (primärer Herpes simplex oder Herpes genitalis) und der regelmäßig wiederkehrenden Erkrankung (Herpesrezidiv) unterscheiden. Die Erstinfektion erfolgt meist in der Kindheit und bleibt lange Zeit unauffällig. Die Erstinfektion kann durch einen Anstieg von Antikörpern im Blut nachgewiesen werden. Die Herpesrezidive können durch verschiedene Provokationsmechanismen hervorgerufen werden, im Falle eines Herpes labialis, also eines Lippenherpes z.B. durch Sonnenbestrahlung, durch fieberhafte Infekte, Stress, Ekel u.v.a.

Therapeutisch ist bei einem Herpes labialis meist eine desinfizierende und austrocknende Behandlung ausreichend. Die Wirksamkeit antiviraler Salben ist lediglich für ein Präparat bei der Lokalbehandlung des Herpes labialis bewiesen. Nur in seltenen Fällen, auch in Abhängigkeit von der Immunitätslage des Patienten, ist eine systemische Therapie (mit Tabletten oder Infusionen) notwendig.

Was ist bei einer Herpes genitalis-Infektion zu beachten?

Bei der Herpes-Erstinfektion im Genitalbereich sind die Behandlungsziele, die Vermehrung des Virus zu stoppen, die Schmerzdauer abzukürzen und eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Hierzu ist es wichtig, die Therapie möglichst frühzeitig einzuleiten, sodass selbst der Verdacht auf eine genitale Herpes-Erstinfektion den Einsatz spezieller antiviraler Medikamente rechtfertigt. Es stehen hierzu moderne, gut verträgliche Medikamente zur Verfügung. Die Einnahme ist unkompliziert und die Behandlungsdauer kurz.
Eine alleinige Lokaltherapie bei Herpes genitalis-Rezidiven hat sich als nicht ausreichend erwiesen. Das Behandlungsziel, die rasche Abheilung mit Schmerzfreiheit des Patienten, ist hier durch eine kurzzeitige Medikamentengabe zu erreichen, die der Patient bei Bedarf selbst einleitet. Sollte die Häufigkeit der Herpes genitalis-Rezidive eine gewisse Schwelle überschreiten, ist bei ausgeprägten Beschwerden eine Dauertherapie zur Unterdrückung eines Wiederauftretens möglich. Diese Therapieform ist nebenwirkungsfrei und über viele Jahre sehr gut dokumentiert.

Kann ich mich gegen eine Herpes-Infektion impfen lassen?

Bereits seit den Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts werden Versuche zu einer Herpes simplex-Impfung durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch enttäuschend. Derzeit stehen keine wirksamen prophylaktisch und therapeutisch anwendbaren Präparate zur Verfügung.

Ist Herpes simplex/ Herpes genitalis ansteckend und was muß man im Umgang mit Schwangeren und Neugeborenen beachten?

Patienten mit z.B. einem gerade aktiven Lippenherpes sollten den engen Kontakt zu Schwangeren und Neugeborenen meiden, da es bei diesen dann zu einer ausgeprägten Herpes- erkrankung kommen kann – mit unter Umständen fatalen Folgen.
In der Schwangerschaft besteht bei einer Herpes simplex-/ Herpes genitalis-Infektion der Mutter das Risiko der Ansteckung für das ungeborene Kind, auch hier mit zum Teil fatalen Folgen. Ist eine immer wiederkehrende Herpesinfektion im Genitalbereich bekannt, ist dies in der Schwangerschaft sorgfältig zu überwachen.

Welche naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Im Mittelpunkt der naturheilkundlichen Behandlung von Infektionserkrankungen steht die Verbesserung der körpereigenen Abwehrmechanismen durch Reiztherapien und immunstimulierende Mittel. Neben speziellen Therapieverfahren für die Herpes simplex-Infektion z.B. durch eine Enzymtherapie sind ordnungstherapeutische Prinzipien wie eine ausreichende Spurenelementversorgung sowie Nikotin- und Alkoholkarenz und ein seelischer Ausgleich bestimmend. Desweiteren ist im Rahmen der orthomolekularen Medizin für eine intakte Immunabwehr eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A,C und E sowie weiteren Mineralstoffen unbedingt notwendig.

Was kann ich selbst tun?

Da der Patient oftmals die Provokationsfaktoren für z.B. einen Lippenherpes selbst am besten kennt, gilt es diese zu meiden. Sollte z.B. direkte Sonneneinstrahlung immer wieder ein Herpes-Rezidiv hervorrufen, ist ein lichtschutzmittelhaltiger Lippenstift anzuwenden. Sorgen Sie für eine ausgeglichene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung. Meiden Sie Streßsituationen, sorgen Sie für Entspannungsinseln in Ihrem Alltag. Stärken Sie Ihr Immunsystem weiterhin durch ausreichende, ausgeglichene sportliche Betätigung.
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Herpes zoster – Gürtelrose

Wie entsteht ein Herpes zoster ?

Der Herpes zoster ist eine Zweitinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus aus der Gruppe der Herpesviren. Als Erstinfektion treten die Windpocken (Varizellen) auf. Nach der Windpocken- infektion wandert das Virus entlang den Nerven in spezielle Nervenstrukturen des Rückenmarks und fällt dort in eine Art Dauerschlaf. Durch gewisse Umstände, die meist mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen (Alter, Tumor, schwere Erkrankungen…), wachen die Viren auf und wandern wieder entlang der Nerven zurück in die Haut. Dort treten dann die typischen Hautveränderungen einer Gürtelrose auf.

Wie erkennt man einen Herpes zoster ?

Man sieht gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund. In der Regel beschränkt sich die Gürtelrose auf ein oder wenige benachbarte Hautsegmente, selten kann es zu einer Ausbreitung auf den ganzen Körper kommen. Meist liegt dann eine ausgeprägte Immunschwäche vor (z.B. Krebserkrankung, HIV-Infektion).

guertelrose

Was kann einen Herpes zoster auslösen ?

Neben einem geschwächten Immunsystem kann es durch verschiedene traumatische Einwirkungen (z.B durch heftige Erschütterung, Nervenverletzung, Röntgenbestrahlung, UV-Bestrahlung) zum Auftreten eines Herpes zoster kommen. Die meisten Erkrankungen finden zwischen dem 60. Und 70. Lebensjahr statt, selten ist ein Auftreten in der Jugend.

Wie verläuft ein Herpes zoster ?

Gelegentlich kommt es vor Ausbruch der Hauterscheinungen zu einem Vorlaufstadium mit Abgeschlagenheit, Müdigkeit, bisweilen auch Magen- und Darmstörungen. Meist kommt es aber zu plötzlich einschießenden Schmerzen im entsprechenden Nervensegment. Innerhalb sehr kurzer Zeit kommt es zum Auftreten einer flächigen Rötung, auf der sich gruppiert wasserklare, prall gespannte Bläschen zeigen. Nach 2 bis 3 Tagen ist diese Phase abgeschlossen. Oftmals platzen die Bläschen auf oder verfärben sich gelblich. Nach ca. 1 Woche ist die Rötung abgeklungen, die Bläschen eingetrocknet und es bilden sich bräunliche und gelbliche Krusten. Bei ausgeprägten Herpes zoster-Infektionen kann es nach Abheilung zu einer vermehrten Pigmentierung oder Narbenbildungen im betroffenen Gebiet kommen. Dies ist jedoch eine sehr seltene Komplikation. Häufiger sind die sogenannten postzosterischen Neuralgien, d.h. also Nervenschmerzen (z.T. sehr ausge- prägt), die ab einem gewissen Zeitraum nach Abheilung der akuten Krankheitszeichen auftreten. In der Jugend ist der Verlauf in der Regel unkompliziert, die Schwere der Erkrankung steigt erst mit dem Alter.

Welche Organe können neben der Haut noch betroffen sein?

Eine Sonderform ist der Zoster ophthalmicus. Hierbei ist neben dem entsprechenden Hautsegment auch das Auge betroffen. Eine augenärztliche Mitbetreuung ist hier dringend notwendig. Bei weiteren Sonderformen kann es zur Beteiligung der Wangenschleimhaut, der Zunge, des Rachens sowie des Gehörganges kommen (Zoster oticus). Bisweilen können auch innere Organe betroffen sein und es kann zu vorübergehenden Lähmungserschein- ungen kommen.

Therapie-Ziele und therapeutisches Vorgehen

Bei Patienten mit einem gut funktionierenden Immunsystem ist das wichtigste Therapieziel die Behandlung der Schmerzen, die während der Erkrankung auftreten bzw. der sog. postzosterischen Neuralgie (s.o.). Weiterhin müssen Komplikationen wie Augen- und Ohrenbeteiligung mitbehandelt werden. Eine medikamentöse Behandlung mit gegen den Virus gerichteten Substanzen ist aufgrund der Komplikationshäufigkeit des Herpes zoster bei Patienten über 50 Jahre, Lokalisation im Kopfbereich und Patienten mit ausgeprägtem, schmerzhaften Hautbefall nötig. Patienten, bei denen ein komplikationsloser Zosterverlauf zu erwarten ist, bedürfen keiner spezifischen antiviralen Therapie, da diese hier keinerlei Vorteile gegenüber einer rein symptomorientierten Therapie bietet. Zur Therapie stehen verschiedene moderne antivirale Medikamente zur Verfügung. Neuere Präparate haben deutliche Vorteile bezüglich der Schmerzbeeinflussung und dem Auftreten der postzosterischen Neuralgien bei nur ein- bis dreimal täglicher Gabe. Der Einsatz von älteren antiviralen Medikamenten wie Aciclovir ist daher nur noch bedingt vertretbar. In Einzel- fällen, bei besonders schwerem Verlauf, ist eine stationäre Therapie mit kontinuierlicher intravenöser Infusionstherapie und Schmerztherapie notwendig.
Eine weitere Therapiekomponente des Herpes zoster ist eine ausreichende Schmerztherapie, Ziel hierbei ist stets die Schmerzfreiheit des Patienten. Lokal- therapeutische Maßnahmen (Lösungen, Lotionen, Cremes) sind unterstützend durchzuführen, haben aber zur alleinigen Therapie bei ausgeprägten Fällen keine Berechtigung.

Ist die Gürtelrose ansteckend und was muss man im Umgang mit Schwangeren und Neugeborenen beachten?

Ein Patient mit einer Gürtelrose kann nie einen anderen Menschen so infizieren, dass er auch gleich eine Gürtelrose bekommt, da die Gürtelrose immer eine Aktivierung aus dem eigenen Körper selbst heraus ist. Allerdings sollten Patienten mit einer gerade aktiven Gürtelrose den Kontakt zu Schwangeren und Neugeborenen meiden, da es bei diesen dann zu einer Windpockenerkrankung kommen kann mit unter Umständen fatalen Folgen.
In der Schwangerschaft besteht bei einer Gürtelrose – im Gegensatz zu einer Windpockeninfektion – der Mutter nur ein sehr geringes Risiko für das ungeborene Kind.

Kann ich mich gegen eine Gürtelrose impfen lassen?

Ein Impfung ist bereits möglich. Derzeit werden große Studien durchgeführt, die den Nutzen einer solchen Impfung, insbesondere für ältere Patienten jedoch noch beweisen sollen.

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Heuschnupfen

Allergien der Atemwege können in Form von Heuschnupfen (allergische Rhinitis) die oberen Luftwege (Nase, Nasennebenhöhlen) und in Form des allergischen Asthmas auch die Lunge betreffen. Die allergische Rhinitis tritt saisonal auf, das heißt zum Beispiel im Frühjahr, Sommer oder Herbst. Da meist auch die Bindehäute der Augen mitbetroffen sind, wird sie als Rhinokonjunktivitis bezeichnet. Sie wird sehr häufig durch eine allergische Reaktion auf Pollen verursacht. Hier gibt es drei große Gruppen: Bäume, Kräuter und Gräser mit der jeweiligen Saison im Frühling, Sommer und Herbst. Der Heuschnupfen ist eine weitverbreitete Erkrankung, die bei mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung auftritt. Oft beginnt er bereits in der Kindheit, weitaus am häufigsten betroffen sind Jugendliche. Bereits deutlich weniger kommt er im mittleren Lebensalter vor und nur selten im höheren Alter.

Welche Symptome treten auf?

Es kommt zu Juckreiz an Augen, Nase und Rachen, wiederholtem Niesen (bisweilen attackenartig) und einer verstopften Nase mit wässrigem Ausfluss. Als Komplikation kann es auf dem Höhepunkt der Saison auch zu asthmatischen Beschwerden kommen. Je mehr Pollen unterwegs sind, desto stärker sind die Beschwerden des Patienten. Bei sonnigem und trockenem Wetter ist die Pollenzahl in der Regel hoch, niedrig ist sie in kalten und regnerischen Wetterperioden. Am Meer und in den Bergen findet man eine insgesamt geringere Pollenzahl, auf dem Land sowie in Tälern ist die Pollenzahl erhöht.

Wie stellt man die Diagnose einer Rhinoconjunktivitis allergica?

Eine Sensibilisierung, d.h. eine Reaktion des Immunsystems auf z.B. eine Pollenart kann rasch durch eine Pricktestung (Testung der Allergene auf der Haut) und durch eine Blutuntersuchung (RAST) identifiziert werden. Dann kann in Zusammenschau mit der Anamnese (Symptome des Patienten in Abhängigkeit von der Jahreszeit) die Diagnose gestellt werden.

Welche therapeutischen Maßnahmen können ergriffen werden?

Ziel der therapeutischen Intervention sollte es stets sein, für den Patienten eine normale Lebensqualität sicherzustellen. Dies kann bei einer ausgeprägten Sensibilisierung mit entsprechend starken Symptomen schwierig sein.
Die effektivste Methode zur Behandlung einer Allergie ist das Meiden des Auslösers. Dies ist jedoch gerade bei der Pollenallergie nur eingeschränkt möglich. Jedoch gilt, dass eine übermäßige Exposition vermieden werden soll, z.B. kann das geschehen, indem der Kontakt zu wilden und gezüchteten Gräsern gemieden wird. Der Rasen sollte nicht selbst gemäht werden, auch sollten die Schlafzimmerfenster geschlossen werden und ggf. ist die Installation einer Klimaanlage mit Filtersystemen sinnvoll.

Die Allergenhäufigkeit sollte auch bei der Urlaubsplanung eine Rolle spielen. Das Urlaubsgebiet kann entsprechend den oben erwähnten pollenarmen Regionen ausgewählt werden.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, ist eine symptomatische Therapie mit Antihistaminika oder eine prophylaktische Therapie mit Cromoglycinsäure notwendig. Bisweilen ist auch der Einsatz von kortisonhaltigen Nasensprays angezeigt. Entsprechende Präparate stehen auch zur Behandlung der Augen zur Verfügung.
Zur Unterdrückung der Symptome gibt es heute eine große Palette von gut wirkenden Medikamenten. Antihistaminika der neuen Generation in Tablettenform sind gut verträglich und machen nicht müde.

Eine weitere, sehr wichtige Therapieform ist die sog. Hyposensibilisierung (Allergieimpfung oder spezifische Immuntherapie).
Unter einer Hyposensibilisierung versteht man das schrittweise Unempfindlichmachen gegenüber verschiedenen Allergenen durch die kontrollierte Gabe von Allergenlösungen in ansteigender Dosierung.

Wann sollte eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden?

Sind symptomatische Maßnahmen bei der Behandlung von allergischen Erkrankungen (Heuschnupfen, Insektengiftallergien, Hausstaubmilbenallergie) nicht ausreichend, ist es notwendig, eine spezifische Immuntherapie durchzuführen. Indikationen für die Durchführung einer solchen Therapie ist eine ausgeprägte Symptomatik (Augentränen, Nasenlaufen, verstopfte Nase, heftiger Niesreiz, Atemwegsbeschwerden, Kreislauf- reaktionen bis hin zum allergischen Schock). Weiterhin eine langandauernde Pollensaison, ebenso asthmatische Beschwerden des Patienten im Sinne einer Verschlimmerung, das heißt, falls bislang keine asthmatischen Beschwerden bestanden. Zur Hyposensibilisierung steht heute eine Vielzahl von Präparaten für die verschiedensten Allergene zur Verfügung. Vor Einleitung der Hyposensibilisierungstherapie muß die Diagnose durch allergologische Testungen gesichert sein. Die Hyposensibilisierung eignet sich insbesondere für junge Erwachsene und Kinder ab einem Alter von 6 Jahren. Der Erfolg der Hyposensibi- lisierungsbehandlung hängt auch von der Zahl der Sensibilisierungen ab. Dies bedeutet, sind Sie nur auf eine Substanz allergisch, ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Hyposensibilisierung höher. Oft kann durch die Hyposensibilisierung eine deutliche Besserung Ihrer Beschwerden erzielt werden, jedoch werden durch eine alleinige Hyposensibilisierung nur wenige Patienten vollkommen beschwerdefrei. Eine begleitende medikamentöse Therapie (Antihistaminika) in der Saison ist oftmals zusätzlich notwendig.

Wie wird eine Hyposensibilisierungsbehandlung durchgeführt?

Die Hyposensibilisierungsbehandlung besteht aus einer Einleitungsphase, in der die Dosis der Allergene gesteigert wird und einer weiteren Phase, in der die Behandlung mit einer Erhaltungsdosis fortgeführt wird. Dies geschieht durch Injektionen an den Oberarmaußenseiten. Die Pollenhyposensibilisierung kann präsaisonal, d.h. vor der Pollen- flugsaison oder perennial, d.h. das ganze Jahr über durchgeführt werden. Die Insektengift- und Hausstaubmilbenhyposensibilisierungen werden dagegen ganzjährig durchgeführt. Die Gesamtdauer einer Hyposensibilisierungsbehandlung beträgt zwischen 3 und 5 Jahren.
Da es während der Durchführung der Therapie zu allergischen Reaktionen kommen kann, ist eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten (nach jeder Verabreichung eine halbe Stunde in der Praxis verweilen, alle weiteren Beschwerden/ Reaktionen vor Gabe der nächsten Injektion berichten).

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Hyperhidrosis

Die Behandlung mit Botulinumtoxin A stellt eine neue, äußerst wirksame Methode zur Behandlung übermäßigen Schwitzens in den Achselhöhlen, an Händen und Füßen dar.

Wie kommt es zu übermäßigem Schwitzen?

Die Schweißdrüsen in der Haut sind mit Nervenendigungen des vegetativen Nervensystems verbunden. Bei Erwärmung des Körpers durch äußere Hitze oder körperliche Betätigung und bei psychischem Streß werden vermehrt Nervenimpulse über das vegetative Nervensystem an die Schweißdrüsen gesendet, wodurch deren Aktivität gesteigert wird. Da die Schweißdrüsendichte in den Achselhöhlen, an Handflächen und Fußsohlen am größten ist, wirkt sich die Stimulation der Schweißdrüsen hier am stärksten aus.

Was kann man dagegen tun?

Bei milder Form des Schwitzens helfen einfache Maßnahmen, wie Anwendung lokal schweißhemmender Präparate, Anpassung der Kleidung und Stabilisierung des vegetativen Nervensystems, z. Bsp. durch Entspannungsübungen. Begünstigend wirken auch Salbeipräparate, entweder in Form von Tees oder als Tabletten/Kapseln.
Bei ausgeprägtem und hartnäckigem Schwitzen wurden bisher operative Maßnahmen durchgeführt, nämlich entweder die lokale Entfernung der Schweißdrüsen (Achselhöhlen) oder die operative Durchtrennung von Nervenknoten des vegetativen Nervensystems im Brustkorb, sodaß die Nervenimpulse nicht mehr an die Zielorgane weitergeleitet werden konnten.

Wie wirkt Botulinumtoxin A gegen übermäßiges Schwitzen?

Botulinumtoxin A ist eine Eiweißsubstanz, die von dem Bakterium Clostridium botulinum produziert wird. Dieses Eiweiß blockiert die Überleitung von Nervenendigungen auf die Muskulatur. In hoher Dosierung ist die Substanz durch die Muskelblockade ein gefährliches Gift (Atemlähmung). In niedriger Dosis ist die Substanz allerdings harmlos und wird therapeutisch schon seit über 20 Jahren, z. B. bei Muskelkrampfzuständen in der Neurologie, angewandt.

Wie wird die Botulinumtoxin A-Behandlung durchgeführt?

Botulinumtoxin A wird in einer verdünnten Lösung mit hauchdünnen Kanülen in das übermäßig schwitzende Areal (Achselhöhlen, Handflächen, Fußsohlen) punktuell oberflächlich in die zweite Hautschicht injiziert. Da die Injektion an Handflächen und Fußsohlen schmerzhaft ist, wird diese in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Behandlungseffekt hält 6 – 12 Monate an.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Durch die Einspritzung kann es zu kleinen Blutergüssen, sehr selten zu Hautreizungen oder sogar Infektionen kommen.
Selten können grippeähnliche Beschwerden, wie Abgeschlagenheit oder Gliederschmerzen auftreten, die in der Regel ohne weitere Behandlung innerhalb von Tagen abklingen.
Bei Injektionen in Handflächen und Fußsohlen können äußerst selten die benachbarten Handflächen- und Fußsohlenmuskeln vorübergehend beeinträchtigt werden, sodass es zu einer vorübergehenden Schwäche dieser Muskeln kommen kann. Diese Schwäche klingt allerdings in wenigen Wochen von selbst wieder ab.
Abschließend möchten wir Sie noch darüber informieren, daß Botulinumtoxin A zwar seit vielen Jahren in der Neurologie zur Behandlung von Muskelverkrampfungen angewendet wird und für diese Indikation auch zugelassen ist, für die Behandlung des übermäßigen Schwitzens ist es aber momentan noch nicht zugelassen. Obwohl es für diese Indikation schon häufig eingesetzt wird, fehlen hierfür noch die zur Zulassung erforderlichen Langzeituntersuchungen.

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Kollagen-/Hyaluronsäureimplantation

Die Haut erschlafft je nach Vererbung und äußeren Einflüssen (in erster Linie Sonnenlicht) mit zunehmendem Alter durch Schwund von Bindegewebe und elastischen Fasern. Eine stark erschlaffte Haut mit tiefer Faltenbildung ist nur durch ein Facelifting befriedigend zu behandeln. Bei kleineren und mittleren Falten, speziell in bestimmten Regionen wie Nasolabialfalte, Zornesfalte und Mundumgebung eignet sich eine Implantationsbehandlung mit hautähnlichen (Kollagen) oder hautidentischen (Hyaluronsäure) Bio-Implantaten. Falten im Stirn- und seitlichen Augenbereich (Krähenfüße) eignen sich am besten für eine Botulinumtoxin-Injektionstherapie (spezielles Merkblatt).

Kollagen

Kollagen ist ein natürliches Eiweiß, das im Bindegewebe von Haut, Knochen und Sehnen vorkommt. Es wird aus Rinderhaut gewonnen und durch ein spezielles technisches Verfahren von allen potentiell unverträglichen Bestandteilen gereinigt. Kollagen wird aus der Haut von Rindern einer speziellen, streng abgeschirmten und durch die FDA überwachten Herde in Kalifornien gewonnen. Aufgrund der Isolation der Rinder und des Herstellungsverfahren ist eine Kontamination mit BSE auszuschließen.
Da das Rinderkollagen nicht hundertprozentig identisch dem menschlichen Kollagen ist, kommt es bei 2-3 Prozent der Menschen zu allergischen Reaktionen. Diese müssen durch eine vorherige Testung, eventuell sogar durch eine Wiederholungstestung, vier Wochen vor der ersten Anwendung ausgeschlossen werden. Bei der Testinjektion wird 0,1 ml Kollagen in die Beugeseite des Unterarms injiziert. Die Injektionsstelle muss 4 Wochen lang beobachtet werden. Eine positive Reaktion bedeutet, dass eine Rötung oder ein rötliches oder bräunliches Knötchen entsteht. In diesem Fall darf nicht mit Kollagen behandelt werden.
Es stehen verschiedene Kollagenpräparate zur Verfügung, die sich durch eine unterschiedliche Konzentration von Kollagen unterscheiden. Die unterschiedlichen Konzentrationen sind für die Anwendung von unterschiedlich tiefen Falten konzipiert.

Zyderm 1 ist das dünnflüssigste Kollagen und wird für feine Fältchen in der Mundumgebung und für die sog. „Krähenfüße“ verwendet.

Zyderm 2 wird für mitteltiefe Nasolabialfalten, Mundwinkelfalten und Zornesfalten verwendet.

Zyplast wird für tiefe Nasolabialfalten, für tief eingeschnittene Mundwinkelfalten und für tiefe Zornesfalten verwendet. Die Haltbarkeit des Kollagenimplantates steigt mit seiner Konzentration und ist somit bei Zyplast am längsten (6-12 Monate.

Hyaluronsäure

Die bei uns verwendeten Präparate werden aus Hahnenkämmen gewonnen (Hylaform) oder synthetisch hergestellt (Restylane) und sind hautidentisch. Allergische Reaktionen treten daher nicht auf. Eine Vortestung ist nicht erforderlich. Hylaform ist für feinere und mittlere Falten geeignet, Restylane eher für feinere Fältchen. Die Haltbarkeit ist kürzer als beim Collagen (ca. 4-6 Monate). Die Hyaluronsäureimplantation eignet sich somit besonders für diejenigen Patienten, die einen Soforteffekt wünschen und keine vierwöchige Testphase abwarten wollen.

Nebenwirkungen:

Bei zu intensiver Bewegung der mimischen Muskulatur nach der Injektion kann es zu einer Verlagerung des Implantates kommen.
In den ersten Tagen kommt es zu einer Schrumpfung des Implantates, die gelegentlich asymmetrisch verlaufen und somit zu einem unregelmäßigen Auffülleffekt führen kann. Dies ist jedoch in der Regel leicht zu korrigieren.
Speziell im Lippenbereich (Lippenvergrößerung) kann die Injektion schmerzhaft sein. Bei empfindlichen Patienten empfiehlt sich daher eine Vorbehandlung mit einer Lokalanästhesiecreme (Emla).
Durch den Reiz der Injektion kann gelegentlich im Lippenbereich ein Herpes ausgelöst werden.
Gelegentlich können kleine Blutergüsse oder kleine Verschorfungen entstehen, die jedoch in der Regel harmlos sind.
Die gravierendste Komplikation ist eine allergische Reaktion auf Kollagen, die sich erst nach einigen Wochen mit Rötungen, Schwellungen, eitrigem Einschmelzen und Abszessbildung zeigen kann. Hier ist eine intensive therapeutische Intervention erforderlich. Das Risiko einer allergischen Reaktion ist allerdings bei negativem Test äußerst gering.
Sehr selten kann es durch Injektionen in Blutgefäße zu Entzündungen und Narbenbildung im behandelten Areal kommen.

Verhaltensregeln nach der Implantation:

Bewegen Sie das behandelte Areal in der ersten 3 Tagen möglichst wenig.
Unmittelbar nach der Implantation erhalten Sie einen Kältepack, mit dem Sie das behandelte Areal 10 Minuten kühlen sollten.
Meiden Sie 5 Tage lang eine längere Sonnenexposition.
Tragen Sie erst am nächsten Tag wieder Cremes und Make-up auf.
5 Tage lang möglichst wenig, besser gar keinen Alkohol trinken.

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Laserepilation

Enthaarung mit dem longpulse 1064nm Nd-Yag-Laser

Unerwünschte Haare

Einst diente das Haar unseren Vorfahren zum Schutz vor Witterungseinflüssen, vor Insekten und als Kleidungsersatz. Die Zeiten waren kälter, bis zur Erfindung der Zentralheizung und der wohltemperierten Wohnumgebung dauerte es noch 10.000 Jahre.

Je mehr das Haar seine Rolle als schützender und wärmender Körperbestandteil verlor, desto stärker wurde seine kosmetische Funktion. So versuchten besser gestellte Damen bereits im alten Ägypten sich Ihrer Körperbehaarung zu entledigen. Auch für die meisten Menschen in unserem Kulturkreis stellt eine glatte, haarlose Haut ein erstrebenswertes ästhetisches Ideal dar. Wie immer bei Idealen, kommt man auch dem glatten, haarlosen Zustand nur durch Einsatz „kleiner“ kosmetischer Nachhilfe nahe.

War man allerdings in der Antike noch ausschließlich auf mechanische Hilfsmittel (zupfen, mehr oder weniger klebrige Geheimrezepturen usw.) angewiesen, so hat unserer heutige Zeit die Möglichkeiten der schonenden Haarentfernung, die Elektroepilation und die Laserepilation. Die Laserepilation hat gegenüber allen anderen Verfahren den Vorteil, dass sie ohne mechanische Reizung auskommt, dass sie großflächig angewendet werden kann und dass sie einen lang anhaltenden Erfolg garantiert.

Wie wirkt das Laserlicht?

Die von uns angewandten Lasersysteme produzieren gebündeltes, hochenergetisches Licht, das punktgenau oder auch flächig auf die zu behandelnden Areale der Haut appliziert wird. Dieses Licht dringt bis 4,4 mm tief in die Haut ein und kann im Gegensatz zu anderen Lasersystemen deshalb alle im Wachstum befindlichen Haare erreichen. Das Haar wird durch eine thermische Protein-Denaturierung geschwächt und im Idealfall zerstört. Drei Wochen nach der Laserung fallen die Haare aus, die sich in der Wachstumsphase befanden.

Wie oft muss behandelt werden?

Die Anzahl der benötigten Behandlungen hängt sowohl von der Anzahl als auch vom Anteil der in der Wachstumsphase befindlichen Haare ab. Denn bei einer Laserbehandlung können nur solche Haare behandelt werden, die sich in der so genannten Wachstums-Phase befinden (Anagenphase). Ihr Anteil variiert je nach Körperregion.

In welchem Abstand ist eine Behandlung sinnvoll?

Bei einer flächigen Behandlung werden die meisten anagenen Haare der betroffenen Region in ihrem Wachstum entweder gestoppt oder vermindert. Für eine neuerliche Behandlung ist es deshalb zumindest ökonomisch sinnvoll zu warten, bis sich – entsprechend dem Wachstumszyklus – die neuen anagenen Haare wieder ausgebildet haben. Einzelne Körperregionen unterscheiden sich in der Dauer des Haarwachszyklus; deshalb variieren auch die Abstände einer Laserbehandlung je nach Körperregion.
Grundsätzlich sollten die ersten beiden Behandlungen im Abstand von 4-8 Wochen durchgeführt werden, um eine Art „Synchronisation“des Haarwachstums zu provozieren. Dadurch kommt es nach der Behandlung zu einer Aktivierung der telogenen Haare, sie gehen in die anagene Wachstumsphase über.

Es werden folgende Abstände zur ersten Behandlung empfohlen:

Gesicht 4-6 Wochen
Achsel-u. Bikinizone 8 Wochen
Beine 2-3 Monate
Bauch, Brust, Rücken 2-4 Monate

Welche Haut- u. Haartypen können mit unserem Laser behandelt werden?

Die von uns angewandten „longpulsed Neodym-YAG-Laser“ gehören zur neuesten Generation der Epilations-Lasersysteme.
Bei herkömmlichen Lasersystemen konnten bisher nur Personen mit heller Haut und möglichst dunklem Haar behandelt werden, da sonst die Gefahr von Hautschäden zu groß war. Mit unserem Laser lassen sich auch blonde Haare entfernen, außerdem sind Behandlungen von dunklen Hauttypen möglich. Dies war bei den ursprünglichen Geräten (Alexandrit- und Rubinlasern, Blitzlampen) nicht möglich.
Die Gefahr der Hautschäden wird zusätzlich durch ein Kühlgerät minimiert, das permanent während der Laserbehandlung die Epidermis mit kalter Luft bestreicht.

Was sollte man vor und nach einer Laserbehandlung beachten?

Rasur
In der Kombination mit einer Laserbehandlung ist die Rasur 3-5 Tage vor der Behandlung sinnvoll. Das Haar wird dabei nicht komplett entfernt und dient bei der Laserbehandlung sozusagen als „Energieleitung“ zur Haarwurzel, in der Zellen durch das Laserlicht geschädigt werden und das spätere Wachstum verzögert oder ganz eingestellt wird. Befürchtungen, dass durch die Rasur Haare vermehrt wachsen, sind unbegründet. Hier täuscht der optische Eindruck, denn das feine Haar wurde abgeschnitten und der nachwachsende Haarstumpf erscheint dicker.

Sonne / Solarium
Sowohl 3 Wochen vor und nach einer Laserbehandlung sollten Sie auf Sonnenbäder und Solarium verzichten. Es empfiehlt sich zudem, für 2 Wochen nach der Behandlung eine Sonnenschutzcreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor zu verwenden.

Hautpflege vorher
Vor der Laserbehandlung muss die Haut trocken und sauber sein. Es sollen keine Lotionen, Cremes, Parfume, Make-up, alkoholische Lösungen oder Deodorants angewendet werden.

Hautpflege nachher
Nach einer Laserbehandlung kann die Haut gerötet sein und wie bei einem Sonnenbrand leicht spannen. Legen Sie bei Bedarf kühlende Kompressen auf und pflegen Sie die behandelten Areale mit einer Körperlotion oder Hautcreme (z.B. Excipial Hydrolotio oder Thermalwasser). Meiden Sie körperliche Aktivitäten wie Fitness, Fahrradfahren usw. für ca. 2 Tage nach der Behandlung, damit die Haut nicht zusätzlich gereizt wird. Ebenso sollten Sie auf Saunabesuche verzichten.

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Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

Die Psoriasis ist eine weltweit verbreitete (2 – 5 % der Bevölkerung) Stoffwechselerkrankung der Oberhautzellen, die bei Männern häufiger als bei Frauen auftritt. Man nimmt an, dass nur Patienten mit einer vererbten Anlage an dieser Erkrankung leiden. Je nachdem, in welchem Lebensabschnitt die Psoriasis erstmals auftritt, unterscheidet man einen Früh- und Spättyp, welche sich bezüglich Verlauf, Therapieansprechen und Ausprägung des vererbten Anteils unterscheiden.

Wie verläuft die Psoriasis?

In der Regel verläuft die Schuppenflechte chronisch und schubartig. Die einzelnen Schübe können schleichend, jedoch auch akut – einem Ausschlag gleichartig – auftreten. Die Häufigkeit, die Dauer und die Stärke der Schübe sind ausgesprochen unterschiedlich und nicht vorhersagbar. In der Regel sieht man im Sommer eine Besserung der Erkrankung. Weiterhin kann die Schuppenflechte durch verschiedene Medikamente (Betarezeptoren-Blocker, Lithium), aber auch Infekte, insbesondere Streptokokkeninfekte oder mechanische Irritation („Köbnerphänomen“) hervorgerufen werden.
Ein Auslösen durch psychische Faktoren wurde immer wieder diskutiert, scheint aber letztlich nicht gesichert. Neuere Untersuchungen zeigten, dass Alkohol- und Nikotin eine Psoriasis auslösen oder verschlechtern können.

Wie erkennt man eine Schuppenflechte?

schuppenflechte

Schuppenflechteherde sind in der Regel rundliche, scharf begrenzte Herde mit einer charakteristisch silbrig-weißen Schuppung. Sie finden sich häufig an den Streckseiten von insbesondere Ellenbogen-, Knie- und Schienbeinregion, im Kreuzbeinbereich, an Händen, Füßen sowie am behaarten Kopf.

Auch Veränderungen der Nägel können vorkommen, sog. Tüpfelnägel (viele kleine Eindellungen der Nagelplatte), der psoriatische Ölfleck (runde gelb-bräunliche Flecken unter dem Nagel) sowie Ansammlung von Hornmaterial unter der vorderen Nagelplatte. Durch diese Veränderung kann es zu Verwechslungen mit einem Nagelpilz kommen, was wir aber durch gezielte Diagnostik ausschließen können.
Die Schuppenflechte ist mit keinen inneren Erkrankungen assoziiert, d.h. ihr Auftreten ist nicht Hinweis für eine an den inneren Organen vorliegende Krankheit. Allerdings sieht man ein gehäuftes Auftreten bei Fettleibigkeit (Adipositas) und deren Folgeerkrankungen und – wie bereits oben erwähnt – bei Alkohol- und Nikotinabschuss.

Die Therapie der Psoriasis vulgaris

Da die Ursache der Psoriasis noch nicht bekannt ist, ist somit auch keine Therapieform verfügbar, welche eine solche Ursache beseitigen könnte. Dennoch steht eine große Vielfalt an verschiedenen äußeren als auch inneren Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Da es sich bei der Psoriasis um eine chronische Erkrankung handelt, ist der Patient mit besonderer Sorgfalt über das Krankheitsbild und die zur Verfügung stehenden Therapieformen im Einzelnen aufzuklären. Es gilt, dass die psoriatischen Herde zwar gut behandelbar sind, aber die Veranlagung zur Entwicklung neuer Herde nicht beeinflussbar ist. Die Ziele der Therapie sind mit dem Patienten individuell abzustecken. Für einen Patienten kann es ausreichend sein, nur einzelne störende Herde zu behandeln. Andere Patienten wiederum wollen eine komplette Abheilung erzielen.

Allgemeine Pflegemaßnahmen

Hierunter fallen Ölbäder, Solebäder und verschiedene Pflegesalben mit schuppenablösenden Rezepturen. Zeigt sich ein akutes Infektgeschehen, sollte dieses behandelt werden.
Eine Klimabehandlung (Meer, Sonne) ist unterstützend zwar von Vorteil, ihre Wirkung ist aber einer konsequenten Lokaltherapie nicht überlegen.

Lokaltherapeutische Maßnahmen

Durch eine Therapie mit kortisonhaltigen Salben kann zwar ein rascher Rückgang der Herde erzielt werden, meist ist die Abheilung aber nicht vollständig und nach Absetzen der Therapie erfolgt häufig bereits nach kurzer Zeit ein Rückfall.
Bei speziellen Psoriasisformen sind vitamin-D3-haltige Salbenpräparate sehr komfortabel und wirksam einsetzbar. Diese Präparate können gut mit Bestrahlungstherapien kombiniert werden.
Eines der ältesten zur Verfügung stehenden Lokaltherapeutika ist das Dithranol. Da die Anwendung relativ kompliziert ist, wird dieses Therapieverfahren in der Regel im Rahmen von stationären Aufenthalten durchgeführt, kann aber in Einzelfällen auch ambulant durchgeführt werden. Cignolin führt zu einer Abheilung der Psoriasisherde. Insbesondere bei ausgedehnten Psoriasisformen ist diese Therapie gut wirksam.

UV-Therapien

Sowohl UV A- als auch UV B-Therapien sind bei der Psoriasis anwendbar, auch sie führen zu einer vollständigen Abheilung. Allerdings müssen die Bestrahlungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchgeführt werden.

Medikamentöse Therapie der Psoriasis

Methotrexat gilt als das am besten wirksame Medikament bei der Psoriasis, es wird wöchentlich gegeben und führt bereits innerhalb weniger Wochen zur Unterdrückung der Psoriasis. Methotrexat ist jedoch ausgesprochen schweren Psoriasisverläufen vorbehalten. Aufgrund der Nebenwirkungen (Blutbildveränderungen, Leberschädigung) ist eine strenge Kontrolle notwendig. Ein weiteres, schweren Psoriasisverläufen zugeordnetes Medikament, ist das Cyclosporin A. Es ist sehr gut wirksam und kann eine völlige Erscheinungsfreiheit bewirken. Ein neueres Psoriasistherapeutikum ist Fumarsäure, hier ist eine begrenzte Wirksamkeit gegen ein vorhandenes Nebenwirkungsspektrum abzuwägen.

Ernährungsmedizinische Hinweise

Wie bereits erwähnt haben Übergewicht, Alkohol- und Nikotinabusus eine Bedeutung bei der Entstehung und Verschlechterung der Psoriasis. Als Konsequenz sollte eine Gewichtsreduktion erfolgen, sowie der Alkohol- und Nikotinkonsum eingeschränkt oder aufgegeben werden. Spezielle Psoriasisdiäten sind nicht sinnvoll. Bei ausgeprägten chronischen Verläufen sind Mangelerscheinungen (Eisen, Magnesium, Zink) auszuschließen.

Welche alternativen Heilmethoden gibt es?

Die Naturheilverfahren halten eine breite Palette an unterstützenden und heilungsfördernden Therapieverfahren bereit. Als ordnungstherapeutisches Verfahren kommt dem autogenen Training hier eine große Bedeutung zu. Weitere Therapieverfahren sind die Enzymtherapie sowie phytotherapeutische und orthomolekulare Maßnahmen.

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Sonnenlicht und Lichtschäden

Das von der Sonne ausgesendete Licht wird in verschiedene Spektralbereiche eingeteilt. Das UV-Licht wird in drei Bereiche eingeteilt, das UVA-, UVB- und UVC-Licht. Das sehr kurzwellige UVC-Licht (200-280 nm) wird durch die Atmosphäre abgehalten und gelangt nicht auf die Erde. UVB bewirkt akute (Sonnenbrand) und chronische (Hautkrebsentstehung) Schädigungen der Haut. Inzwischen ist bekannt, dass ebenso das UVA-Licht krebserregend ist (bei noch intensiverer Hautalterung).

Folgende Faktoren sind beim Sonnenbaden zu beachten:

Schatten schützt nur zu ca. 50 % (insbesondere am Wasser und im Schnee hohe Streustrahlung). Auch Wolken, insbesondere im Hochgebirge halten nur einen Teil der Strahlung ab. Gefährlich ist insbesondere das Skifahren in den Wolken im Hochgebirge.

Bekleidung schützt, je nach Textilienart zu 20 (Nylonstrümpfe) bis 80 % (Baumwolle).

Sonnenschutzmittel: Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, um wieviel die Eigenschutzzeit der Haut durch Anwendung des Sonnenschutzmittels verlängert wird. Dies gilt allerdings nur bis zu einem LSF von etwa 20. Bedeutsam bei der Wahl eines Lichtschutzmittels ist dessen Lichtschutzfaktor im UVB-Bereich, eine gute Wirksamkeit auch im UVA-Bereich und eine hohe Wasser- und Schweißfestigkeit. Sonnenschutzpräparate mit chemischen Filtern erreichen erst jedoch 20 bis 30 Minuten nach dem Eincremen ihre maximale Wirkung (deshalb bereits vor dem Sonnenbad eincremen). Wichtig ist ein reichliches Auftragen des Lichtschutzmittels (mind. 30 ml für die gesamte Haut)! Wiederholtes Auftragen des Lichtschutzmittels verlängert die Schutzzeit nicht.

Da UVB-Licht Bindehaut- und Hornhautentzündungen des Auges auslösen kann, sollen Sonnenbrillen aus geschliffenem Glas oder Kunststoff mit ausreichender Tönung von mindestens 50% getragen werden. Die Lippen sollten mit einem Lichtschutzstift mit hohem LSF (15 – 20 ) und ausreichendem UVA-Schutz behandelt werden.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für Kinder

Säuglinge unter 12 Monaten müssen gänzlich vor direktem Sonnenlicht geschützt werden. Kleinstkinder sollten auch im Schatten durch Lichtschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor geschützt werden. Für Klein- und Schulkinder gilt die 4H-Regel: langes Hemd, Hose, Hut und hoher Lichtschutzfaktor.

Solarien: Bei der Bräunung durch Sonnenlicht entsteht normalerweise eine sog. Lichtschwiele (Verdickung der Hornschicht Haut) die einen Lichtschutzfaktor von ca. 30 bewirken kann. Die UVA-bedingte Bräunung der Solarien hingegen bewirkt nur einen Schutzfaktor von ca. 4 – 6 und somit keinen effektiven Sonnenschutz. Insgesamt zeigt das Solarium deutlich mehr negative Effekte (Hautkrebsgefahr, rasche Hautalterung) als positive.
Medikamente: Manche Medikamente (z.B. Antibiotika, Antirheumatika, Schlafmittel, z.T. auch die Pille) können die Lichtempfindlichkeit steigern. Wenn das Medikament nicht abgesetzt werden kann, sollten Sie sich nur sehr eingeschränkt in der Sonne aufhalten.

Chronische Lichtschäden

50 bis 80 % der gesamten Lebens-UV-Dosis eines Menschen wird in der Regel bis zum 18. Lebensjahr erreicht. Die Hautschäden, die das Sonnenlicht bewirkt, sind erst 20 bis 30 Jahre später sichtbar. Besonders ungünstig für die Haut ist die Kombination aus Nikotin und UV-Licht. UVB schädigt die Erbsubstanz (DNS) direkt und indirekt über die Entstehung freier Radikale. Hohe UVA-Dosen führen ebenso zur Freisetzung freier Radikale, die wiederum das Enzym Kollagenase stimulieren, was zu Kollagenschäden und damit zu vorzeitiger Hautalterung führt. Die langfristigen Folgen zu hoher UV-Dosen für die Haut sind:

Vorzeitige Hautalterung

Die Haut wird insgesamt dünner, trocken, schuppig. Sie verliert an Elastizität, es entstehen vermehrt Falten und Pigmentflecken. Zur Therapie der vorzeitigen Hautalterung werden lokal hochdosierte Vitamin C- und Vitamin E- sowie oleosomenhaltige Präparate als Radikalfänger eingesetzt. Beginnende Lichtschäden können wirksam mit lokal applizierter Vitamin-A-Säure behandelt werden. In ausgeprägteren Fällen sind Schälbehandlungen (z.B. mit Glykolsäure, Fruchtsäure, Trichloressigsäure) oder eine Laserbehandlung (CO2-Laser, Erbium-YAG-Laser) möglich.
Es entstehen Hautkrebsvorstufen (Aktinische Keratosen u.a.)

Dieses sind tastbare Verhornungen auf gerötetem Grund in dem Licht ausgesetzten Arealen (Gesicht, behaarter Kopf, Glatze, Ohren, Handrücken). Unbehandelt können diese zu Hautkrebs (Basaliom, Spinaliom) führen. Die Behandlung erfolgt durch (laser-) chirurgische Abtragung oder Verätzung.

Basaliom:

Basaliome sind UV-Licht induzierte halbbösartige Hauttumoren, die in lichtexponierten Arealen entstehen und insbesondere im Gesicht große Zerstörungen (bis hin zu Verlust von Auge und Nase) hervorrufen können. Zu eine Metastasierung kommt es nur extrem selten. Basaliome müssen frühzeitig operativ entfernt werden.

Spinozelluläre Karzinome (Stachelzellkrebs):

Diese entstehen wie die Basaliome in lichtexponierten Arealen. Spinaliome bewirken weniger große lokale Zerstörungen, können aber metastasieren. Eine frühzeitige Entfernung mit Sicherheitsabstand sowie eine regelmäßige Nachsorge sind erforderlich.

Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs):

melanom

Dieses ist der bösartigste Hauttumor des Menschen. Begünstigt wird das Melanom durch genetische Faktoren und durch wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend. Melanome haben nur bei frühzeitiger operativer Entfernung mit Sicherheitsabstand eine gute Prognose. In späteren Stadien metastasieren sie in alle Organe.
Prophylaxe: Aufgrund der Gefährlichkeit des Melanoms sollten insbesondere Kinder und Jugendliche lückenlos vor Sonnenbränden geschützt werden. Dies ist eine große Verantwortung der Eltern und Aufsichtspersonen.
Da bekannt ist, dass die Melanomhäufigkeit stark mit der Zahl der Muttermale zusammenhängt, sollten alle Menschen mit zahlreichen Muttermalen (über 20) ein- bis zweimal jährlich hautärztlich untersucht werden. Besonders mit der Computervideo-Auflichtmikroskopie ist eine präzise Beurteilung von Muttermalen möglich. Ziel ist die Aufdeckung von Frühmelanomen und seinen Vorläufern sowie von pathologisch veränderten Muttermalen (sog. dysplastische/atypische Muttermale) und deren operative Entfernung.

© 2002 Dr. Kadgien. Diese Ausführungen dürfen nicht ohne die Erlaubnis des Verfassers in irgendeiner Form kopiert und verbreitet werden.

 

Krampfadernleiden (Varikosis)

Etwa 50% bis 80% Prozent aller Erwachsenen haben eine Venenschwäche. Eine Praxisstudie konnte zeigen, dass jeder zweite Patient im Wartezimmer venenkrank ist, jeder zwanzigste jedoch nur aus diesem Grund den Arzt aufsucht. Würden Venenerkrankungen in einem früheren Stadium entdeckt und richtig behandelt, könnten schwerwiegende Folgen für den Patienten (Venenentzündungen, Thrombose, „offenes Bein“) verhindert werden.

Was sind die Funktionen der Venen?

Die Venen sammeln das Blut aus der Körperperipherie und transportieren es zum Herzen zurück. Man unterscheidet dabei ein oberflächliches und ein tiefes Venensystem. Unterstützt wird der Rückfluss zum einen durch die Pumpfunktion des Herzens, zum anderen durch die Muskelpumpe der Wadenmuskulatur. Wichtige Voraussetzung für den Blutfluss zurück zum Herzen – gegen die Schwerkraft – sind funktionstüchtige Venenklappen. Diese sind segelartig angeordnet und ermöglichen den Blutfluss nur herzwärts und vom oberlächlichen ins tiefe Venensystem. Beim Gehen verhindern sie ein Zurückfließen des Blutes nach erfolgter Muskelkontraktion (Ventilfunktion).

Was sind Krampfadern (Varikosis)?

Eine Krampfader ist eine stark erweiterte, geschlängelte, teils auch knotig veränderte Vene des oberflächlichen Venensystems. In der Regel sind für diese Veränderungen defekte Venenklappen verantwortlich. In den tiefen Venen treten diese Veränderungen nicht auf. Prinzipiell unterscheidet man fünf Formen:

Stammvarikose (betrifft die großen oberflächlichen Stammvenen)

Seitenastvarikosis (betrifft kleinere Seitenäste der Stammvenen)

Perforansvenenvarikose (betrifft die Verbindungsvenen zwischen oberflächlichem und tiefem Venensystem)

retikuläre oder Netzvarikose (betrifft die netzartigen Hautvenen)

Besenreiservarikosis (betrifft kleinste Hautvenen, beeinträchtigen die Blutzirkulation nicht, sind jedoch häufig ein erhebliches kosmetisches Problem)

Was sind die Ursachen der Krampfaderbildung?

Die Bereitschaft zur Krampfaderbildung ist meist angeboren, die Anlage dazu ist erblich. 80 % der Patienten mit Krampfadern haben Eltern oder Großeltern mit Krampfadern. Vererbt wird eine Venenwandschwäche verbunden mit dem Verlust von funktionstüchtigen Venenklappen. Die Venenklappen halten im Laufe der Zeit der Druckbelastung durch den Blutstrom nicht mehr stand. Das Zurückfließen des Blutes gegen die Schwerkraft kann von defekten Klappen nicht mehr verhindert werden. Die Folge ist die Entstehung von erweiterten und geschlängelten Venen.
Weitere Faktoren, die die Entstehung von Krampfadern begünstigen, sind Bewegungsarmut, Übergewicht, häufige und intensive Wärmezufuhr (Sauna, heiße Wannenbäder), chronische Herzschwäche und Schwangerschaften.

Was sind Anzeichen eines Krampfaderleidens?

Die meisten Patienten klagen über Müdigkeit in den Beinen, Schweregefühl, Spannungsgefühl und Schwellungsneigung, insbesondere nach längerem Stehen und Sitzen. Die Beschwerden nehmen charakteristischerweise im Laufe des Tages zu. Bei Entzündung der Krampfadern schmerzen diese, sind druckempfindlich, verhärtet und gerötet. Wadenkrämpfe sind dagegen kein typisches Symptom eines Krampfaderleidens.

Was sind Folgen des Krampfaderleidens?

Werden Krampfadern nicht rechtzeitig oder richtig behandelt, können zum Teil schwerwiegende Folgen für den Patienten entstehen.

Durch den Blutstau in den Beinen kommt es zunächst zur Anschwellung der Beine. Im weiteren Verlauf entstehen juckende Stauungsekzeme, die von einer dunklen Hautpigmentierung begleitet werden. Die Haut verhärtet sich zunehmend und wird brüchig. Es entsteht ein „offenes Bein“, das so genannte Ulcus cruris venosum. Weitere Folgen sind oberflächliche Venenentzündungen, die bis in das tiefe Venensystem fortschreiten und dort eine Thrombose auslösen können. Im Extremfall kann eine tiefe Beinvenenthrombose eine Lungenembolie zur Folge haben. Aus diesem Grund ist eine rechtzeitige Behandlung des Krampfaderleidens erforderlich.

Wie wird ein Krampfaderleiden diagnostiziert?

In unserer Praxis stehen hochmoderne Ultraschallgeräte für die Diagnostik der Varikosis zur Verfügung. Mittels der direktionalen Dopplersonographie können zuverlässig Klappenschäden und Verschlüsse der oberflächlichen und tiefen Venen diagnostiziert werden. Diese Methoden sind für den Patienten nicht belastend und zudem diagnostisch sehr aussagekräftig.

Wie werden die Krampfadern behandelt?

Vor der Therapie steht in jedem Fall eine ausführliche Diagnostik. Wenn festgestellt wurde, welche Venen erkrankt sind, kann eine entsprechende Therapie begonnen werden.

Sind die großen Stammvenen erkrankt, sollten diese komplett operativ entfernt werden.

Bei Seitenastvarikosis, Perforansvenen varikosis und retikulären Varizen führen wir ein mikrochirur- gisches Venenstripping durch.

Bei einer Besenreiservarikosis erfolgt eine Verödungstherapie.

Mikrochirurgisches Venenstripping

Die Operation erfolgt ambulant in einer speziellen örtlichen Betäubung (Tumeszenzanästhesie). Die Venen werden mittels spezieller Häkchen durch kleinste Schnitte komplett entfernt. Die Schnitte werden in aller Regel nur durch Klammerpflaster verklebt. Eine Naht ist meist nicht notwendig. Nach der Operation wird ein Kompressionsverband angelegt. Am Operationstag sollte das Bein möglichst oft hochgelegt werden. Am folgenden Tag und eine Woche nach der Operation wird der Verlauf der Heilung erneut in unserer Praxis kontrolliert.

Das operierte Bein muss für etwa eine Woche ständig gewickelt bleiben. Sie erhalten von uns eine Wickelanleitung. Anschließend kann für weitere zwei bis drei Wochen (nach Rücksprache mit dem Arzt) das Tragen eines Kompressionsstrumpfes erforderlich sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das mikrochirurgische Venenstripping eine äußerst komplikationsarme Methode mit bestem kosmetischen Ergebnis darstellt.
Um einen optimalen Behandlungserfolg zu erzielen, ist für 4 Wochen ein Saunabesuch und ein Sonnenbad (auch Solarium) unbedingt zu vermeiden!

Verödung von Besenreißervarizen

Die Behandlung der Besenreißervarikosis erfolgt mittels einer Verödungstherapie.
Hierbei wird im Liegen mittels kleinster Nadeln ein Verödungsmittel injiziert. Das Verödungsmittel induziert in den kleinsten erweiterten Venen eine Entzündungsreaktion, die zur Verklebung der Besenreiser führt.
Nachdem pro Behandlungssitzung nur eine bestimmte Menge an Verödungsmittel injiziert werden darf, um mögliche unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren, sind bei ausgeprägtem Befund meist mehrere Sitzungen erforderlich. Auch hier sollten sie, um einen optimalen Behandlungserfolg zu erzielen, folgendes beachten: 4 Wochen kein Saunabesuch und kein Sonnenbad (auch kein Solarium)!

© 2002 Dr. Kadgien. Diese Ausführungen dürfen nicht ohne die Erlaubnis des Verfassers in irgendeiner Form kopiert und verbreitet werden.

 

Praktische Qualitätsarbeit in Krankenhäusern

Folgende Cartoons stammen aus dem Buch: „Praktische Qualitätsarbeit in Krankenhäusern“ Peter Weiß, Springer WienNewYork, 2000, ISBN 3211834788.

Sie sind nicht zum Kopieren freigegeben.

Das Beispiel, das ich dir heute schicke, betrifft die „tepperte“ Fachsprache (Amtsdeutsch, Medizinerlatein, Juristenchinesisch etc.).

Geht es uns wie Frau Simpel oder verstehen wir alles?

fachchinesisch

Mussten Sie auch schon mal warten beim Arzt??

organsiationschaos

Websitestips von Dr. Weiss:

„Allergiecheck“ www.pharmacia.at
Einiges mehr an Karikaturen wird unter www.chirurgie-online.at in nächster Zeit gezeigt. Dafür wurde auf zwei Jahre das Nutzungsrecht vergeben.

 

Terror und Schrecken

Wie erkläre ich es meinem Kind?

Niemand konnte sich den Bildern der Terroranschläge von New York und Washington entziehen. Und es ist eine Frage, wie man als Erwachsener selbst damit fertig wird. Eine noch viel schwierigere Frage ist aber, wie man mit Kindern – seien es nun die eigenen oder Kinder, die einem anvertraut sind, wie etwa in Kindergärten und Schulen – über diese schrecklichen Ereignisse sprechen soll. Dr. med. Hasenöhrl befragte dazu den bekannten Kinderpsychiater Univ.-Prof. Dr. Max H. FRIEDRICH, Leiter der Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kinder- und Jugendalters am Wiener AKH.

ND: Wie reagieren Kinder in verschiedenen Lebensphasen auf solch schreckliche Ereignisse?

Friedrich: Zunächst einmal sollte man hier zwischen verschiedenen Entwicklungsphasen bei Kindern unterscheiden. Das Kind bis zum sechsten Lebensjahr lebt in der so genannten magisch-animistischen Phase. Für Kinder in diesem Alter ist die Welt wie ein Märchen, in dem Realitäten aufgehoben sind. Man kann z. B. dem bösen Wolf den Bauch aufschneiden, und Rotkäppchen samt Großmutter springen lebendig heraus.
Um das sechste Lebensjahr (das nicht zufällig mit dem Schulbeginn zusammenfällt) wendet sich das Denken des Kindes hin zum logisch-realen, konkreten Denken. Was die Reaktion auf traumatisierende Ereignisse allgemein betrifft, so unterscheidet man in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise vier Ebenen, nämlich die körperliche, die intellektuelle, die emotionale und die soziale Ebene.

ND: Was geschieht bei über 6-jährigen Kindern?

Friedrich: Die Kinder sind hier mit Ereignissen konfrontiert, die sie als bedrohlich empfinden und die sie nicht verstehen können – obwohl älteren Kindern die „Welt des Horrors“ aus Spielfilmen und dergleichen nicht mehr völlig fremd sein dürfte. Was letztlich bei der Konfrontation mit solchen Ereignissen geschieht, ist nichts anderes als die Wiederbelebung von schon durchlebten oder unbewussten Ängsten.
Die Palette an entwicklungsspezifischen Ängsten ist ja groß; sie reicht von der 8-Monats-Angst, dem so genannten Fremdeln, über die Dunkelangst mit zwei Jahren, die Tier- und Gespensterangst mit drei Jahren, die soziale Einpassungsangst mit vier Jahren und die Entwicklungsangst in der Pubertät bis hin zur Todesangst im Erwachsenenalter, die typischerweise um das 30. Lebensjahr einsetzt, wenn man sich der eigenen Endlichkeit bewusst wird.

ND: Wie soll man mit über 6-jährigen Kindern in dieser Situation umgehen?

Friedrich: Zunächst ist es ja auch für Erwachsene sehr schwierig, sich mit solchen Ereignissen auseinander zu setzen und auch nur intellektuell zu verstehen, wie so etwas überhaupt geschehen kann. Und hier ist es wichtig, die Kinder an diesem Prozess, an dieser Auseinandersetzung teilhaben zu lassen. Es ist ganz wichtig, dass die Kinder auch die Erlebnisse der Erwachsenen spüren, und dass wir auch bereit sind, sie daran teilnehmen zu lassen.
Wir sollten sowohl unsere Gedanken als auch vor allem unsere Gefühle mit unseren Kindern teilen, unsere Gefühle zu ihnen sprechen lassen. Es ist wichtig, entsprechend zu trauern, entsprechend Angst zu haben, entsprechend Schrecken zu verspüren. Man soll die Kinder an sich drücken und mit ihnen gemeinsam die Dinge anschauen.
Und dann muss man sich natürlich auch mit der Sozialisation des Kindes (gesellschaftliche Einbindung) auseinander setzen, was auf die Frage hinausläuft, was für eine Welt wir unseren Kindern eigentlich hinterlassen. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken, dass es falsch ist, im Zusammenhang der Ereignisse in den USA von Krieg zu sprechen. Hier handelt es sich um Terror, nicht um Krieg. Ich glaube, das kann man Kindern auch begreiflich machen. An dem banalen Satz „Die Welt wird nie mehr so sein, wie sie einmal war“ ist durchaus etwas dran.

ND: Wie geht man mit Kindern um, die jünger als sechs Jahre sind?

Friedrich: Kinder in diesem Alter haben es aufgrund der erwähnten magischen Weltsicht etwas leichter, sich von solchen schrecklichen Ereignissen auch wieder zu trennen, wie eben von einem Märchen. Was allerdings für kleinere Kinder ungeheuer bedrohlich wirkt, ist die ständige Wiederholung der Ereignisse wie sie in unserer von „Infotainment“ (unterhaltsam aufbereitete Information) geprägten Welt typisch ist. Wir alle haben die Aufnahmen von den Flugzeugen, die in die Twin Towers gekracht sind, unzählige Male gesehen.
Wenn nun ein kleines Kind, das noch keinen Zeitbegriff wie ein Erwachsener hat, diese Aufnahmen wieder und wieder sieht, dann finden sie auch jedes Mal wieder neu statt. Und das ist eine extreme Überforderung. Hier lautet also die Devise: rechtzeitig den Fernseher abdrehen. Grundsätzlich gilt für Kinder unter sechs Jahren, dass der Zugang zu ihrer Psyche über das Spiel geht. Das ist auch der Weg für Kinder dieses Alters, das Geschehene zu verarbeiten. Man soll sich als Erwachsener darauf einlassen, mit den Kindern zu spielen, gerade auch in solchen Situationen.
Es wäre also ganz falsch, empört zu sein, wenn sich das Kind etwa aus Bauklötzen ein Hochhaus baut, um es dann mit einem Flugzeug zum Einsturz zu bringen. Das ist einfach die dem Alter entsprechende Form der Verarbeitung. Kinder können damit ihre Ängste zwar nicht komplett abbauen, aber wenigstens vermindern, weil das Spiel ihre Sprache ist. Solche Spiele dürfen also von Erwachsenen nicht verboten werden!
Das Gespräch führte Dr. med. Norbert Hasenöhrl, freier Medizinjournalist, Wien.